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Podcast: radioWissen
Episode:

Loriot - Jodeldiplom und deutscher Humor

Category: Education
Duration: 00:23:51
Publish Date: 2023-11-14 09:00:00
Description:

Kein zweiter Satiriker hat so zielsicher ins deutsche Herz getroffen wie Vicco von Bülow, der sich den Möpsen mit der gleichen Leidenschaft widmete wie den Menschen. Unter dem Künstlernamen Loriot analysierte er, wie die Kommunikation im Alltag zerbröselte, wie die Deutschen in wortreichen Dialogkaskaden aneinander vorbeiredeten oder vorbeijodelten und blickte in Sketchen wie "Herrn im Bad" und "Die Nudel" dem Spießbürgertum so liebevoll wie selbstkritisch in die Seele. Autor: Florian Kummert

Credits
Autor/in dieser Folge: Florian Kummert
Regie: Sabine Kienhöfer
Es sprachen: Irina Wanka
Technik: Susanne Harasim
Redaktion: Andrea Bräu

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Heinz Erhardt - Was bin ich für ein Schelm!
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Literaturtipps:

Stefan Lukschy: Der Glückliche schlägt keine Hunde – Ein Loriot Portrait. (Aufbau Verlag)

Stefan Neumann: Loriot und die Hochkomik – Leben, Werk und Wirken Vicco von Bülows (Wissenschaftlicher Verlag Trier)

Und noch eine besondere Podcast-Empfehlung der Redaktion:

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Das vollständige Manuskript gibt es HIER.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus dem Manuskript:

ERZÄHLERIN

Ein Knollennasen-Mann sitzt im Wohnzimmer in seinem Sessel. Schaut ins Leere, regt sich nicht. Ein Stillleben, während im Hintergrund seine Knollennasen-Frau emsig in der Küche hin- und herläuft. So beginnt der Sketch „Feierabend“. Gezeichnet und gesprochen von einer Person: Loriot.

AUSSCHNITT 1 (Feierabend, CD037610 010)         1‘15

Hermann ... 

Ja... 

Was machst du da? 

Nichts... 

Nichts? Wieso nichts? 

Ich mache nichts ... 

Gar nichts? 

Nein ... (Musik ertönt) 

Überhaupt nichts? 

Nein ... ich sitze hier... 

Du sitzt da? 

Ja... 

Aber irgendwas machst du doch? 

Nein…

Denkst du irgendwas? 

Nichts Besonderes ... 

Es könnte ja nicht schaden, wenn du mal etwas spazieren gingest.

Nein - nein... 

Ich bringe dir deinen Mantel... 

Nein danke... 

Aber es ist zu kalt ohne Mantel... 

Ich gehe ja nicht spazieren ... 

Aber eben wolltest du doch noch ... 

Nein, du wolltest, dass ich spazieren gehe... 

Ich? Mir ist es doch völlig egal, ob du spazieren gehst... 

Gut... 

Ich meine nur, es könnte dir nicht schaden, wenn du mal spazieren gehen würdest 

Nein, schaden könnte es nicht... 

Also, was willst du denn nun? 

Ich möchte hier sitzen ... 

Du kannst einen ja wahnsinnig machen! 

Ach... 

Erst willst du spazieren gehen ... dann wieder nicht... dann soll ich deinen Mantel holen ... dann wieder nicht... was denn nun? 

OTON Loriot 1 (aus Talkshow Wortwechsel SWR)      0‘25

„Mein Hauptthema, das ist die mangelnde Kommunikationsfähigkeit. Das Aneinandervorbeireden der Menschen, die bestimmte Dinge miteinander bereden wollen und trotzdem auf ein falsches Gleis geraten. Also der Mann, der seine Frau fragt: Liebling, wann gibt es Essen? Und sie sagt: Mein Gott, ich kann doch nicht hexen. In dieser Antwort liegt bereits die Keimzelle zu einem stundenlangen Missverständnis, wenn nicht zu einem lebenslangem Zerwürfnis.“

Musik: Z8034434102 Under the stairs 0‘42

ERZÄHLER/IN

Loriot. Karikaturist, Humorist, Menschenkenner. So liebevoll und zugleich so hinterlistig hat keiner auf unsere Unzulänglichkeiten geblickt. Er schuf Figuren, die zauberhaft scheitern. Menschen im Alltag, in der Beziehung, im Miteinander. Menschen, die sich mehr oder weniger vergebens um eine aufrechte Haltung im Leben bemühen. Die dabei aber scheitern, es höflich weiter versuchen und wieder scheitern. Und wir, das Publikum, erkennen uns in ihnen wieder, und freuen uns, wie komisch das Leben doch sein kann. Und auch das Leiden.

AUSSCHNITT 2:

„Ach was?!“   0‘2

OTON Loriot 2 (aus Talkshow Wortwechsel SWR)     0‘35

„Das wirklich Absurde hat mich nie interessiert. Mich hat immer das interessiert, was wirklich ist, und was jedem täglich passiert. Und ich bin eigentlich nur ganz langsam und ganz folgerichtig darauf gekommen, das zu beschreiben, was wir täglich erleben. Und das, was ich versuche ist nur, einen ganz kleinen Schritt daneben zu sein, um deutlich zu machen, wie grotesk es eigentlich ist, was wir täglich erleben. Und durch diese Nähe zur Wirklichkeit entsteht dieses Gefühl der Menschen, das sind wir doch und das passt in vielen Situationen.“

ERZÄHLER/IN

Der vielleicht beste Therapeut, den Deutschland je hatte. Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow. Rufname: Vicco. Künstlername: Loriot. Zu dem lässt er sich vom Wappenvogel derer von Bülow inspirieren: der Pirol, auf Französisch „Loriot“. 

Im November 1923 wird er in Brandenburg an Havel geboren, als Spross eines alten Adelsgeschlechts. Sein Vater ist ein hochrangiger Polizeioffizier, der seinem Sohn die Liebe zu Literatur und Theater ebenso vererbt wie einen preußischen Hang zur Perfektion und Humor. Gerne imitiert der Vater ältere Männer, eine Gabe die auch Vicco von Bülow beherrscht und mit Figuren wie Opa Hoppenstedt verewigt.

AUSSCHNITT 3:

„Früher war mehr Lametta!“   0‘2

MUSIK: Z8034434103 Hobbling down 0‘24

ERZÄHLER/IN

Als Vicco vier Jahre alt ist, lässt sich der Vater von seiner Frau Charlotte scheiden. Nur zwei Jahre später stirbt sie. Vicco und sein jüngerer Bruder kommen nach Berlin, zur Großmutter. Ein Haushalt, in dem den Kindern ebenfalls die Welt der Literatur offensteht. Der Vater heiratet erneut, und zieht mit der Familie nach Stuttgart. Am dortigen Theater hat Vicco erste Auftritte. 

OTON Loriot 3 (aus Begegnung im Prinzregententheater, BR)   0‘24

Ich wollte mein Taschengeld aufbessern, indem ich Komparse wurde. Und daher kenne ich eine ganze Menge Opern auswendig, die ich vor und rückwärts pfeifen könnte, wenn ich wollte. Und das hat sicher auch dazu beigetragen, dass ich die Liebe zur Oper habe entwickeln können. Und mein Vater hatte ein altes Grammophon, ein richtiges zum Aufdrehen, zum Aufnudeln mit alten Schellackplatten. Und da war auch eine ganze Menge dabei, was mich ungeheuer interessiert hat.

Musik: N1495800001 Ouvertüre aus Martha 0‘15

ERZÄHLER/IN

Später wird er selbst Opern inszenieren, „Martha“ und „Der Freischütz“. Und „Der Ring an einem Abend“, Loriots Erzählfassung von Richard Wagners „Der Ring der Nibelungen.“ Bereits als Junge zeigt Vicco von Bülow eine vielfache Begabung, als Texter, Zeichner und Schauspieler. 1940 bekommt er im Spielfilm „Friedrich Schiller - Der Triumph eines Genies“ eine Statistenrolle als Page. Doch nur ein Jahr später ruft der Kriegsdienst. Vicco macht als 17jähriger das Notabitur und muss für drei Jahre an die Ostfront. Bücher werden zu seinem Rettungsanker. Er liest Goethe, Schiller, Shakespeare, lernt ganze Stücke auswendig, die er in der Einsamkeit im Krieg zitieren kann, Texte, die er sein Leben lang nie wieder vergessen wird. Viccos jüngerer Bruder fällt 1945, mit nur 20 Jahren.

SOUND Holzhacken im Wald

ERZÄHLER/IN

Nach dem Krieg schlägt sich Vicco von Bülow als Holzfäller in Niedersachsen durch, um an Lebensmittelkarten zu gelangen. Harte, tagtägliche Arbeit, bei der er - wie er in einem Interview mal sagt - eine „gewisse Abneigung gegen frische Luft entwickelte“. Sein Vater, der immer schon das zeichnerische Talent des Sohns bewundert hat, ermutigt ihn, sich in Hamburg an der Landeskunstschule einzuschreiben. Dort lernt er seine spätere Frau, die Modezeichnerin Rosemarie Schlumbom kennen, und signiert erste Arbeiten mit dem Pseudonym Loriot.

MUSIK 72043570 000  Wum’s Gesang, Ich bin ein kleiner Hund, Instrumental-Teil mit Gejaule 0‘39

ERZÄHLER/IN

Bald erhält er Aufträge als Zeichner, und fällt durch seinen feinen, einzigartigen Humor auf. Ab 1950 wird der Stern auf Loriot aufmerksam. Für das Magazin entwirft er die Serie „Auf den Hund gekommen“. 

(kurz Musik mit Gejaule hoch)

Das Verhältnis von Mensch und Hund - eines von Loriots Lieblingsthemen. In „Auf den Hund gekommen“ zeigt er Hunde und Menschen in Alltags-Situationen mit einem besonderen Twist: die Rollen sind vertauscht. Die Hunde gehen auf zwei Beinen und sind deutlich größer als die Menschen. Die Menschen nehmen die Rolle der Hunde ein. Sie urinieren an Bäume, machen Kunststückchen, um den Hunden zu gefallen, oder wühlen im Müll. Und die Hunde kommentieren das Ganze mit Sätzen wie „Ich mag keine Menschen - die riechen so…“ oder „Du bist und bleibst ein Mensch, du Ferkel.“. Die Folge: wütende Leserbriefe.

OTON Loriot 4 (aus Talkshow Wortwechsel SWR)   0‘28

Damals war man noch nicht so weit. Man war noch von der Sonderstellung der Menschen sehr überzeugt und besonders aus Intellektuellenkreisen, auch aus Kreisen der Kirche hat man mir ernst so Vorwürfe gemacht, dass der Mensch doch immerhin die Krone der Schöpfung sei und nicht der Hund und man war doch sehr indigniert über diesen Verlauf dieser humoristischen Entwicklung und der Stern hat damals sehr rasch diese Reihe eingestellt, weil die Briefe sich häuften.

ERZÄHLER/IN

Dafür wird die Reihe in Buchform zum Bestseller. Titel wie „Der gute Ton. Das Handbuch der feinen Lebensart in Wort und Bild“, „Wahre Geschichten. Erlogen von Loriot“ und „Loriots großer Ratgeber“ machen ihn bekannt. Vicco von Bülow steigt auf zu einem der wichtigsten und erfolgreichsten Karikaturisten der deutschen Nachkriegszeit. 

Hundefiguren bleibt er treu, vor allem den von ihm über alles geliebten Möpsen, die auch das von Bülowsche Familiendomizil bei Ammerland am Starnberger See bevölkern. Und Hund Wum mit den langen schwarzen Schlappohren wird - an der Seite von Elefant Wendelin - zum festen Bestandteil von Wim Thoelkes Quizshow „Der große Preis“. 

MUSIK: C1352870 210   ..0’32 Titelmelodie Der große Preis mit Stimme Loriot/Wum

„Meine Damen und Herren, gleich werden Sie erleben wie man viel gewinnen und wieder verlieren kann, mit Wim Thoelke…“ (Instrumental weiter)

ERZÄHLER/IN

Loriots menschliche Zeichentrickfiguren zeichnen sich vor allem durch eins aus: eine unübersehbar große Knollennase. Dazu fliehendes Kinn, Oberlippenschnute und eine Portion asexuelle Schläfrigkeit. Mit diesem Typus taucht Vicco von Bülow ein in die Welt des kleinbürgerlichen Spießers. Genüsslich seziert er die bundesdeutschen gesellschaftlichen Konventionen und die Formen des Miteinanders.

OTON Loriot 5 (aus Begegnung im Prinzregententheater, BR)   0‘21

Gerade weil ich aus einer Familie und Kreisen komme, die auf Formen sehr viel Wert legten, war es reizvoll für mich, diese Formen zu unterlaufen, obwohl ich nichts gegen Formen habe. Ich glaube, dass wir ohne Formen überhaupt nicht leben könnten, genauso wenig wie im Straßenverkehr ohne Rot und Grün und Gelb können wir nicht ohne Konventionen, also Abkommen, wie wir uns gegenseitig behandeln wollen, leben.

Musik: Z8034434102 Under the stairs 0‘42

ERZÄHLER/IN

Einen weiteren Popularitätsschub erlebt Vicco von Bülow, als er sich dem Medium Fernsehen zuwendet. Ein neues Spielfeld, in dem er sich kreativ austoben kann, hinter und vor der Kamera. Für den Süddeutschen Rundfunk moderiert er zwischen 1967 und 1972 die Sendung „Cartoon“. Auf einem roten Sofa sitzend, stellt er das Werk anderer Karikaturisten vor, baut aber auch eigene Sketche ein, etwa das Gedicht „Advent“. Ein Paarreim, der im vierhebigen Versmaß von einem Mord und dem Beseitigen der Leiche erzählt. Die Frau des Försters erschießt am Nikolausabend ihren Mann. Der hat sie beim Hausputz im Forsthaus allzu sehr gestört. 

AUSSCHNITT 4a Advent (CD176110 209)    0‘26

Und als das Rehlein ging zur Ruh', das Häslein tat die Augen zu, 

erlegte sie - direkt von vorn - den Gatten über Kimm' und Korn. 

Vom Knall geweckt rümpft nur der Hase zwei-, drei-, viermal die Schnuppernase. 

Und ruhet weiter süß im Dunkeln, derweil die Sternlein traulich funkeln. 

ERZÄHLER/IN

Ein Zeichentrickmännchen, wie so oft von Loriot selbst gesprochen, trägt das Gedicht vor. Ein gutmütiger Fernsehonkel, graumeliert mit Brille, sitzt im Stuhl unter einem Adventskranz mit Kerzen. Der Widerspruch des gemütlich vorgetragenen Festtags-Gedichts mit dem blutigen Inhalt machen aus der Schauerballade ein Stück Komik für die Ewigkeit. 

AUSSCHNITT 4b Advent (CD176110 209)   0‘33

Und in der guten Stube drinnen, da läuft des Försters Blut von hinnen.

Nun muss die Försterin sich eilen, den Gatten sauber zu zerteilen. 

Schnell hat sie ihn bis auf die Knochen nach Waidmanns Sitte aufgebrochen. 

Voll Sorgfalt legt sie Glied auf Glied - was der Gemahl bisher vermied - 

Behält ein Teil Filet zurück, als festtägliches Bratenstück.

Und packt zum Schluss – es geht auf Vier – die Reste in Geschenkpapier.

ERZÄHLER/IN

Das Advents-Gedicht wird auch Teil einer Fernsehserie, die 1976 bis 1978 für den ARD-Sender Radio Bremen entsteht: Loriot I bis VI. Eine Mischung aus Zeichentrick- und Realfilmsketchen, moderiert von Loriot, diesmal auf einem grünen Biedermeiersofa sitzend. 

Musik: C1339650017 Aktenzeichen XY ungelöst 0‘13

In den Sketchen schlüpft er in verschiedenste Rollen, parodiert dabei auch gerne die TV-Größen der damaligen Zeit, wie Eduard Zimmermann in Aktenzeichen XY oder den Zoologen und Tierfachmann Bernhard Grzimek, in dessen Sprachduktus er von der fiktiven „Steinlaus“ erzählt. Ein possierliches Tierchen, mit einem Tagesbedarf von etwa 28 Kilogramm Beton und Ziegelsteinen, das ganze Häuserblocks zum Einsturz bringt.

ATMO einstürzendes Haus

ERZÄHLER/IN

Zum Stamm-Team gehören Schauspieler wie Heinz Meier, der etwa den bei einem TV-Interview völlig überforderten Lottogewinner Erwin Lindemann mimt. 

Für die Sketche sucht Loriot aber zusätzlich eine weibliche Partnerin. Ihm schwebt eine etwa 50jährige Frau vor, am besten mittelgroß, etwas fülliger, mit blonden Dauerwellen. Doch dann stellt sich eine schlanke, hochgewachsene Brünette vor, Anfang 30. Ihr Name: Evelyn Hamann. Die erinnert sich 1996 an diese denkwürdige erste Begegnung:

OTON Evelyn Hamann (aus Talkshow Wortwechsel SWR)   0‘35

Ich bin dann zum Vorstellungsgespräch gekommen und habe gemerkt, ach du lieber Gott, der sucht ganz was anderes, na, dann wird es wohl nichts. Wir haben dann ein Gespräch geführt. Und er hat eigentlich nur beobachtet und geschaut, und ich nehme an, in diesem Gespräch hat er gesehen, also, das könnte das Richtige sein, und hat mich in drei kleinen Rollen ausprobiert. Und dann hat er die Sketche geschrieben, Nudel, Liebe im Büro und dieses Interview mit dem Monster. Und dann war die Basis gelegt für eine wunderschöne Zusammenarbeit. 

AUSSCHNITT 5a Inhaltsangabe (CD094760 013)    0‘22

Gwyneth Molesworth hatte für Lord Hesketh-Fortescue in Nether Addlethorpe einen Schlipth - Verzeihung! - einen Schlips besorgt, ihn aber bei Lord Molesworth-Houghton liegengelassen. Lady Hesketh-Fortescue verdächtigt ihren Gatten, das letzte Wochenende mit Priscilla Molesworth in Middle Fritham verbracht zu haben. 

ERZÄHLER/IN

Evelyn Hamann als Fernsehansagerin, die beim Zusammenfassen einer britischen Serie über das (englische) th (Tee-Eitsch) und andere Gemeinheiten stolpert. 

Musik: Z8034434103 Hobbling down 0‘23

ERZÄHLER/IN

Evelyn Hamann und Loriot - zwei Seelenverwandte, die sich bei der Arbeit perfekt ergänzen. Während Loriot gerne die eitlen, dauerreferierenden Männer gibt, mit überdrehtem Spiel, schafft Evelyn Hamann oft große Komik aus ihrer Kunst der versteinerten Miene.

AUSSCHNITT 6 Jodelschule (CD037620 006)    0‘41

Frau Hoppenstedt, was hat sie als Frau veranlasst in eine Jodelschule einzutreten?

Da regt mich ja die Frage schon auf. Was heißt denn Sie als Frau? Eine Berufsausbildung ist doch nicht grundsätzlich von Männern gepachtet! 

Reporter: Ich meine ja nicht…

Ich finde gerade eine Hausfrau mit Familie sollte eine abgeschlossene Berufsausbildung haben. (…)

Danke, Frau Hoppenstedt!

Hollera da didel…

Holleri!

Holleri di dudel du…

Du dödel di...

Holleri du dödel du...

Du dödel di. Im ganzen Satz!

Hollerö dö dudel dö

Du dödel di, „dö dudel dö“ ist zweites Futura Sonnenaufgang!

ERZÄHLER/IN

Sätze, die die zahlreichen Fans von Loriot - manche nennen sich auch „Loriotiker“ - Wort für Wort auswendig können. Ein prominenter Loriot-Fan ist der Autor, Schauspieler, Theater- und Filmregisseur Leander Haußmann, der mit Stoffen wie „Sonnenallee“ Erfolge feierte. 

OTON Leander Haußmann 1

Für mich ist Loriot im Grunde aus meinem eigenen bescheidenen Werk nicht wegzudenken. Also auch als Lehrmeister nicht. Ich hatte ja das Glück, ihn auch kennenzulernen, weil er mich kennenlernen wollte. Das war damals in München nach meiner „Romeo und Julia“-Inszenierung. Und ich war so erstaunt und erfreut gleichzeitig, dass er wie seine Figuren auch war, also auch im Sprach-Duktus.

AUSSCHNITT 7 Herren im Bad     0‘15

Herr Müller-Lüdenscheidt!

Herr Doktor Kloebner! Also lassen Sie die Ente in Gottes Namen herein.

Nein, mit Ihnen teilt meine Ente das Wasser nicht.

Sie lassen sofort die Ente zu Wasser!

Ich denke nicht daran.

ERZÄHLER/IN

Der Sketch „Herren im Bad“ zählt zu den Lieblingsstücken von Leander Haußmann. Herr Müller-Lüdenscheidt und Doktor Kloebner sitzen gemeinsam in einer leeren Badewanne. Doktor Kloebner hat sich dabei in der Zimmernummer im Hotel geirrt und ist irrtümlich in einer fremden Wanne gelandet. Eine absurde Situation, die aber nicht weiter thematisiert wird. Stattdessen streiten sich die beiden Herren, ob Wasser in die Wanne soll, wer das Wasser einlässt und ob eine gelbe Quietsche-Ente mit in die Wanne darf.

OTON Leander Haußmann 2

Ich lasse jetzt die Ente zu Wasser. Das ist der entscheidende Satz: die Ente zu Wasser lassen. Das verrät den großen Sprachliebhaber und vor allem den Liebhaber der deutschen Sprache, Loriot, weshalb er auch so schwer international zu transportieren ist, weshalb er so ganz und gar uns gehört.

ERZÄHLER/IN

Was im Falle von Loriot heißt: den Westdeutschen und den Ostdeutschen. Auf dem Höhepunkt seiner Schaffensphase und Popularität, in den 1970er und 1980er Jahren, hat Loriot auch etliche Fans in der damaligen DDR. Zu denen gehört Leander Haußmann, der in Ost-Berlin aufwächst. 

OTON Leander Haußmann 3

Mein Vater hat mir damals, da war ich vielleicht elf, ein Buch besorgt zu Weihnachten. Und das war vom Eulenspiegel-Verlag herausgegeben das dicke Loriot-Buch und das wurde zu meiner Bibel, habe ich auch heute noch und liegt direkt über Ibsen und Strindberg. Und wir haben es in der Schule nachgespielt, durften wir auch, obwohl es eben ein West-Autor war. Und das habe ich ihm auch erzählt. Und da hat er auch sehr ernsthaft darauf geantwortet, als ich ihm sagte, dass mein alter Schulfreund Guido Kossak damals die Nudelkrise in der 7A sehr gut gespielt hat. Und da antwortete er auch mit: Ach was?!

MUSIK: (C1150140 031) Odipussi Titelmusik 0‘44

ERZÄHLER/IN

Als Loriots erster Kinofilm Ödipussi im März 1988 startet, organisiert Vicco von Bülow die Premiere am selben Tag erst in Ost-Berlin, dann einige Stunden später in West-Berlin. Die einzige Uraufführung eines Films im geteilten Deutschland, die in beiden Landesteilen am selben Tag stattfindet. „Ödipussi“, Drehbuch, Regie und Hauptrolle: Loriot. Er spielt den Stoff- und Möbelhändler Paul Winkelmann, der mit knapp Sechzig immer noch unter der Fuchtel seiner Mutter steht. „Ödipussi“ wird der erfolgreichste deutsche Kinofilm 1988. 

MUSIK: (C1150140 034) Pappa ante Portas Schlusstitel 0‘32

Auch mit „Pappa ante Portas“ gelingt ihm 1991 wieder ein Publikums- und Kritikerliebling, in dem er als Frührentner Heinrich Lohse den Rest der Familie in den Wahnsinn treibt. 

ERZÄHLER/IN

Bis zum Ende seines Schaffens leistet sich Vicco von Bülow keinen einzigen Flop. Zielsicher trifft er mit seinen Arbeiten immer wieder ins deutsche Herz. Loriot, der Anarchische und zugleich Bürgerliche, subversiv, aber nie bösartig-ätzend, elegant, aber nie elitär, spöttisch und doch menschenfreundlich. Er schafft es, sich mit Contenance und Charme über das deutsche Wesen lustig zu machen, ohne es an den Pranger zu stellen. Auf demokratische Weise holt sein Humor ein breites Publikum ab, ohne es zu verletzen. 

OTON Loriot 6 (aus Talkshow Wortwechsel SWR)    0‘24

Es wird mir oft fast vorgehalten, ich sei zu liebenswürdig, in dem was ich mache. 

Ich glaube, dass das falsch gesehen ist. Das was ich mache, ist bestimmte Bosheiten so einzupacken, dass der Betreffende, der es fressen muss, nicht merkt, was er runtergeschluckt hat, und erst später, wenn er es im Magen hat, ihm klar wird. Das ist der ganze Trick dabei. 

MUSIK: (C1150140 031) Odipussi Titelmusik  1‘14

ERZÄHLER/IN

2011 stirbt Vicco von Bülow, mit 87 Jahren. Und lebt doch weiter, in unzähligen, von Laientheatern und im Internet von Fans nachgespielten Sketchen, und in den Wiederholungen seiner Fernsehklassiker wie „Weihnachten bei Hoppenstedts“. Loriots Grab in Berlin wird zur Pilgerstätte, verziert mit gelben Badeenten und Porzellan-Möpsen, was zwar der Berliner Friedhofsordnung widerspricht, aber toleriert wird. Ein Umstand, der Loriot-Fan Leander Haußmann besonders freut. 

OTON Leander Haußmann 4

Es ist ihm gelungen, diese unendlich langweilige deutsche Friedhofsordnung durcheinander zu bringen, indem dort nun erlaubt wurde, dass man auf sein Grab eine Gummiente stellen darf. Und nun ist das Grab voller Gummienten. Wer einige Verluste in seinem Leben zu erleiden hatte, der weiß, wie langweilig deutsche Friedhöfe sind. Aber Loriot hat das ausgehebelt. Selbst da hat er noch etwas geleistet für uns alle, was uns ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubert.

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