Milo Rau sucht in seinen Theaterinszenierungen nach einer Politik des Widerstands. Mit Schauspielern und Aktivisten aus der brasilianischen Landlosenbewegung erarbeitete er seine Version des antiken Tragödie „Antigone“. An dem Ort, an dem vor 30 Jahren die brasilianische Militärpolizei ein Blutbad unter protestierenden Landarbeitern anrichtete.
In Ruanda, im Kongo und Irak hat Milo Rau künstlerisch mit Akteuren vor Ort zusammengearbeitet. Im brasilianischen Amazonasstaat Pará entstand 2022 eine Version der „Antigone“, der antiken Tragödie über die Hybris der Macht. Mit Indigenen, Schauspielern und Aktivisten der Landlosenbewegung MST erzählt Milo Rau vom Kampf der Menschheit gegen ihren selbstverschuldeten Untergang durch Profitgier und Verblendung. In der Produktion spiegelt sich der politische Kampf der Landlosen gegen Großgrundbesitzer und Agrobusiness, die für Weidefläche und Sojaproduktion im Amazonasgebiet den Urwald abholzen. Trauriger Höhepunkt dieses Konfliktes: das „Massaker von Eldorado Carajas“, bei dem am 17. April 1996 ein Protestmarsch der Landlosen von der Polizei unter tödlichem Einsatz von Schusswaffen gestoppt wurde.Ein Feature von Nina Hellenkemper. Produktion: WDR 2023