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In dieser Folge von Economic Challenges diskutieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, über die Zukunft des Bargelds und die wachsende Abhängigkeit Europas von amerikanischen Bezahlsystemen. Ausgangspunkt ist der tiefgreifende Wandel der Zahlungsgewohnheiten: Während Bargeldnutzung und Geldautomatenzahlen sinken, dominieren Kartenanbieter wie Visa und Mastercard zunehmend den Alltag.
Rürup sieht darin mehr als nur einen Modernisierungsschub. Die Konzentration zentraler Zahlungsinfrastrukturen in den USA könne im geopolitischen Konfliktfall zum strategischen Risiko werden. „Deutschland oder die EU wären schlicht erpressbar, weil wir keine leistungsfähigen Bezahlsysteme haben“, warnt er. Bargeld erfülle deshalb weiterhin eine wichtige Sicherheitsfunktion – nicht nur bei technischen Ausfällen, sondern auch als Schutz vor politischer Abhängigkeit.
Hüther verweist darauf, dass sich die Debatte verändert habe. Während früher vor allem über Negativzinsen und die mögliche Abschaffung des Bargelds gestritten wurde, gehe es heute um Resilienz und digitale Souveränität. Der digitale Euro könne ein Baustein sein, um europäische Unabhängigkeit im Zahlungsverkehr zu stärken. Entscheidend sei jedoch, leistungsfähige europäische Bezahlsysteme aufzubauen und regulatorisch abzusichern.
Im Zentrum steht die Frage, wie Europa seine finanzielle Infrastruktur gegen geopolitische Risiken absichern kann – und ob Bargeld dabei vom Auslaufmodell wieder zum strategischen Sicherheitsanker wird.
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