|
Lesung und Gespräch. Riesenalk, Ur oder die Stellersche Seekuh sind ausgestorben. In Erzählungen werden sie und andere Tier- und Pflanzenarten neu zum Leben erweckt. "Die Literatur eröffnet einen emotionalen Zugang zu ihnen." Noch einmal bekommt sie eine große Bühne: die Stellersche Seekuh (Hydrodamalis gigas). In einem Ballsaal am fernen Rand Sibiriens soll sie tanzen, zu einer Mazurka. Der Ur oder Auerochse (Bos primigenius) stapft derweil einsam durch die Wälder im heutigen Polen und fragt sich, ob er wohl der letzte seiner Art ist. Und der Riesenalk (Pinguinus impennis) ist schon gar nicht mehr da. Drei von 19 Heldinnen und Helden in Matthias Jüglers Anthologie „Wir dachten, wir könnten fliegen“, einer Sammlung mit Erzählungen und literarischen Essays über ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten. „Es ist uns nicht gegeben, diese Arten wieder zum Leben zu erwecken“, sagt Matthias Jügler bei einem Spaziergang durch den Zoo in seiner Heimatstadt Leipzig. „Aber mit der Literatur können wir das. Ich wollte, dass man mit ihr einen emotionalen Zugang zu den Arten bekommt, die man nicht kennt.“
Der Schriftsteller lud von ihm geschätzte Kolleginnen und Kollegen zum Schreiben ein. Darunter Autorinnen und Autoren wie Caroline Wahl, Iris Wolff, T.C. Boyle oder John Burnside. Ein Hörbuch mit ihren Texten ist – als ARD Gemeinschaftsproduktion – bei ARD Sounds erschienen. Stellvertretend für alle präsentiert diese Buchgefühl-Ausgabe Auszüge aus den Erzählungen von Katerina Poladjan und Henning Fritsch über die Stellersche Seekuh und von Julia Schoch über den Auerochsen oder Ur. Im Gespräch im Leipziger Zoo erzählt Matthias Jügler über die Entstehung der Anthologie und einige Aha-Erlebnisse. Derweil warten er und Niels Beintker auf das Ostafrikanische Spitzmaulnashorn.
Gast: Matthias Jügler, Schriftsteller und Publizist, in Halle/Saale geboren und heute in Leipzig zu Hause. In den Romanen „Die Verlassenen“ und „Maifliegenzeit“ hat er sich mit der Geschichte der DDR beschäftigt. Eine Lieblingsbeschäftigung neben dem Schreiben ist das Angeln. Ein besonderer Fang hat Matthias Jügler auch zur Anthologie über die ausgestorbenen Tier- und Pflanzenarten inspiriert.
Host: Niels Beintker, stammt aus der gleichen Stadt wie Matthias Jügler und wurde über einen Zeitungsartikel auf den Schriftsteller aufmerksam, einen Essay über den mutigen Schriftsteller Jürgen Fuchs und das Widerstehen in der DDR.
Buch: Matthias Jügler (Hg.): Wir dachten, wir könnten fliegen, Penguin, 256 S., mit Illustrationen von Barbara Dziadosz. Das Hörbuch – eine ARD Gemeinschaftsproduktion – ist in ARD Sounds erschienen. https://www.ardsounds.de/sendung/wir-dachten-wir-koennten-fliegen/urn:ard:show:153133f333bc78d1/
Hörtipp 1: Anja Gmeinwieser und ihr Roman „Wir Königinnen“. Ein Truck, 24 Rinder und zwei ungleiche Frauen, "Königinnen" der Autobahn und privater Krisen: ein wilder Roman um Sisterhood und Sinnsuche, eine Road Novel durch Osteuropa zwischen Empowerment und fragwürdigen EU-Richtlinien. Lesung mit Carmen Yasemin Ipek. https://www.ardsounds.de/sendung/anja-gmeinwieser-wir-koeniginnen/urn:ard:show:a6c342be674a08de/
Hörtipp 2: „Elefant, Tiger und Co. – Der Podcast“. Dirk Hentze, jahrelanger Radio-Begleiter der beliebten Fernsehsendung aus dem Leipziger Zoo, besucht jeden in diesem Reich, der ihm die Tür offenhält und über seinen "Traumberuf" plaudert. Da treffen sich zwei, die gern erzählen, und zum Glück ist auch ein Mikrofon dabei. Eine weitere Facette der besonderen Tier- und Menschenwelt und mehr Zeit für ihre Geschichten. https://www.ardsounds.de/sendung/elefant-tiger-und-co-der-podcast/urn:ard:show:546c41e9f574c49a/
|