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Autorin: Sabine Geipel | Anmod. Vorschlag: Der 25. Mai rückt näher. Der Stichtag, ab dem die sogenannte Datenschutzgrundverordnung angewendet werden wird ? und die im Grunde jeden von uns betrifft. Ob als Verbraucher, als Vereinsmitglied oder als Unternehmer ? keiner entkommt in diesen Tagen der ?DSGVO?. Der Brief der Woche von Sabine Geipel geht daher an die Verantwortlichen in Brüssel, die uns die neue Verordnung eingebrockt haben.
Liebe Bürokraten in Brüssel,
ich schreibe Ihnen einen Brief, damit Sie sich freuen. Denn ihretwegen bekomme ich selber ja gerade ständig Post. Meine Bank schreibt mir (übrigens für jedes Konto, das ich besitze, einzeln), der Reise-anbieter, bei dem ich den - achweißtDunochSchatzdamals - Kanaren-Urlaub gebucht hatte, schickt mir nen Brief und vom Elektrohändler um die Ecke kam auch was. Meinen überlaufenden E-Mail-Account brauch? ich gar nicht erst erwähnen und auch nicht die ganzen Hinweise, die mir jedesmal -Pling-Pling-Pling!- entgegenspringen, wenn ich im Internet unterwegs bin. Toll! Es wird kommuniziert, was das Zeug hält! Denn alle haben anscheinend großen Bammel und wollen nur ja alles richtig machen ? bei der DSGVO. Und das ist übrigens keine neue Castingshow im Privatfernsehen ? sondern die liebevolle Abkürzung für ein Ungetüm aus 88(!) Seiten mit 99(!) Artikeln, das Ihr euch ausgedacht habt: Datenschutzgrundverordnung.
Allein das Wort find ich genial! Klingt nach Satire ? ist aber purer Ernst. Und ist im Grunde ja auch ne Super-Sache ? so mit mehr Datenschutz, mehr Transparenz, mehr Verbraucherrechte, na klar. Aber, liebe Bürokraten in Brüssel ? wie so oft, wenn etwas von Euch kommt, ist es gut gemeint, aber schlecht gemacht ? und vor allem katastrophal kommuniziert. Statt Sicherheit ? Verunsicherung! Statt Transparenz ? Ratlosigkeit. Schaut doch mal, was gerade los ist: Arzthelferinnen versuchen verzweifelt herauszubekommen, ob Sie ihre Patienten noch mit Namen ins Behandlungszimmer rufen dürfen ? oder Ihnen lieber Nummern wie an der Wursttheke zuteilen müssen, aus Datenschutzgründen. Der Installateur stellt den WhatsApp-Kontakt zu seinen Kunden sicherheitshalber ein, weil er Angst hat vor drakonischen Strafen. Im Taubenzuchtverein ist man am Rande des Wahnsinns: wo soll denn nun der olle Ordner mit dem Mitgliederverzeichnis hin ? ohne dass die Datenschutzkeule kommt? Schön auch das neue Ritual beim Austausch von Visitenkarten: Wenn Geschäftspartner sich gegenseitig kopfnickend versichern, dass sie diese Kontaktdaten nun sehr wahrscheinlich in ihre Kundendatei übertragen werden. Liebe Bürokraten in Brüssel, mit Euch wird?s jedenfalls nicht langweilig! Dank Euch ist der etwas nerdige Datenschutzbeauftragte auf einmal der King in der Firma!
Ach ja, eines hätte ich fast vergessen: Wenn Sie in Zukunft noch Briefe von mir erhalten wollen, dann bestätigen Sie mir das doch bitte schriftlich. Sie wissen schon ? die neue Datenschutzgrundverordnung ab dem 25. Mai! Es grüßt Sie ganz herzlich ? Ihr Fan Sabine Geipel |