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Die re:publica 2014 ist zwar schon vorbei, aber es ist noch nicht zu spät, einen kurzen Abriss von unserem Besuch wieder zu geben ;)
Darüber hinaus haben sich in den vergangenen Wochen wieder jede Menge spannender Wissenschaftsnachrichten auf unseren digitalen Schreibtischen gestapelt, die in dieser Folge ausgebreitet werden. Was euch erwartet: Es geht um biotische Resistenz, schwächelnde Meeresströmungen, und warum moralische Fragen besonders dann heikel sind, wenn man sie in fremden Sprachen gestellt bekommt. Darüber hinaus besprechen wir einen Nachteil (wie man es nimmt) der Neurogenese, die Entstehung von Magnetaren und die Neuentwicklung eines Schutzes gegen Strahlung. Als besonderes Leckerli beantworten eine Hörerfrage zu einer Tierart mit Kultpotential: den Zitteraal! Viel Spaß beim Hören!
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Sendungsnotizen
Begrüßung & Rückblick auf PPW14a & rp14
Wissenschaftsnachrichten
Der Feuerfisch soll hier nicht rein!
AMOC darf nicht sterben!
- C. D. Roberts, L. Jackson, and D. McNeall (2014). Is the 2004–2012 reduction of the Atlantic meridional overturning circulation significant? Geophysical Research Letters
- Zwischen 2004 und 2012 hat der Nordatlantikstrom (AMOC=Atlantic meridional overturning circulation) an Flussvolumen verloren
- Liegt dieser Rückgang innerhalb der natürlichen Variabilität, oder ist er auf menschgemachte Einflüsse zurückzuführen?
- Der AMOC wird zwischen Florida und den Kanaren mittels verschiedener Sensoren (RAPID MOCHA) gemessen
- Vergleich der Beobachtungen mit 14 CMIP5-Modellen sagt aus, dass der Rückgang kaum auf natürliche Schwankungen zurückzuführen ist
- Allerdings sind die Annahmen über Jahr-zu-Jahr-Schwankungen dieser Modelle unrealistisch niedrig
- Nach Einbau der realen Schwankungen aus RAPID-Daten lässt sich der Rückgang völlig durch natürliche Fluktuationen zurückführen.
- Noch zu wenig Daten, um wirklich fundierte Rückschlüsse ziehen zu können – die Forscher brauchen mindestens noch eine Dekade Daten!
Moralische Dilemmata in fremden Sprachen
- Costa A, Foucart A, Hayakawa S, Aparici M, Apesteguia J, et al. (2014) Your Morals Depend on Language. PLoS ONE 9: e94842
- Gedankenexperiment zu moralischem Dilemma: Zug rollt auf 5 Leute zu; Dicken in den Weg schubsen? Ja = utilitaristische Lösung: maximale Nützlichkeit
- schon bekannt: Stress & kognitive Last => weniger utilitaristische Entscheidungen
- Einfluss von Fremdsprachen (auch kognitive Last, aber emotionale Distanz = weniger Skrupel)?
- mehrere Dutzend Fremdsprachenlerner => 20% utilitaristische Lösung bei Mutter-, 30% bei Fremdsprache
- Reaktion auf kulturelle Normen, die mit Sprache assoziiert sind?
- Weichen-Variante mit mehreren 100 Lernen & Muttersprachlern => jeweils ca. 80% utilitaristisch => Normen unerheblich
- Artefakt durch zufälliges Antworten wegen Nichtverstehens?
- Trennung der unter- & überdurchschnittliche Sprachleistung (allerdings Selbsteinschätzung) => höheres Verständnis = größere emotionale Nähe => weniger utilitaristische Entscheidungen
- Erkenntnis: moralische, emotionale Urteilsfähigkeit in Fremdsprache zunächst reduziert (zugunsten rationaler), steigt wieder mit Sprachbeherrschung
- internationale Firmen & Organisationen: moralische Urteilsfähigkeit durch Sprachbarriere getrübt
- Vorsätze: für Reisen mehr Vokabeln lernen & Diskurse durch Fremdsprache versachlichen
- Prof. Georg Lind (AG Moral): Konstanzer Methode zur Dilemmadiskussion & Mailingliste Bildungs-Info
Wer dachte, Neurogenese helfe beim Lernen…
- Katherine G. Akers et al. (2014) Hippocampal Neurogenesis Regulates Forgetting During Adulthood and Infancy. Science
- Seit ein paar Jahren wissen wir: zeitlebens entstehen auch im menschlichen Gehirn neue Nervenzellen, auch wenn das Tempo mit dem Alter abnimmt
- Welchen Einfluss hat das auf das Erinnerungsvermögen? -> Trade-off zwischen Plastizität und Stabilität des Gehirns!
- Test mit jungen und ausgewachsenen Mäusen: Wie lange erinnern sie sich an Unangenehmes? Junge Mäuse vergessen nach einem Tag (infantile Amnesie), adulte Tiere erst nach mehreren Wochen
- Mittels Beeinflussung des Tempos der Neurogenese konnte gezeigt werden, dass dieses unmittelbar mit dem Vergessen des Gelernten zusammenhängt
- Generelles Phänomen? In nestflüchtenden Nagetierarten (diese kommen mit einem weiter entwickelten Hirn zur Welt) gibt es keine infantile Amnesie; diese kann aber durch Beschleunigung der Neurogenese induziert werden
Entstehung von Magnetaren
Strahlung, Dein Feind und Helfer
- Cullen M. Taniguchi et al. (2014). PHD Inhibition Mitigates and Protects Against Radiation-Induced Gastrointestinal Toxicity via HIF2. Science Translational Medicine
- Vor Strahlenkrankheit kann man sich selbst heute nur wenig schützen, oder sich dagegen behandeln lassen
- Eine Arbeitsgruppe aus Kalifornien hat jetzt eine Therapie entwickelt, um den Effekt der Strahlenkrankheit auf die Darmschleimhäute zu limitieren
- Man muss die Level eines bestimmten Proteins (HIF2) stabilisieren. Das funktioniert wohl mit der Gabe von dimethyloxallyl glycine (DMOG)
- In Mäusen reduziert es die Sterblichkeitsrate von Mäusen nach erheblicher Dosis Röntgenstrahlung
- Strahlenschäden gibt es auch bei Strahlentherapie gegen Krebs. Dort wird die Strahlung nur sehr lokal und auf den Tumor begrenzt eingesetzt, um umliegendes Gewebe nicht zu schädigen. Metastasenbehandlung? Fehlanzeige, weil zu gefährlich.
- Durch eine Kombibehandlung mit DMOG könnte man die Therapie vielleicht auf den ganzen Körper ausweiten
Hörerfrage: Wie funktioniert ein Zitteraal?
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