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KonScience wird 30 Folgen alt/lang/breit! Zum Herbstanfang wenden wir uns einigen interessanten Symbiosen von Zwergtintenfischen um Hawaii zu, sowie einer Bedrohung für die Genauigkeit von Kohlenstoff-14-Datierungen, den Gründen für die ungewöhnlich schnelle Artbildung bei den Orchidee, und der Möglichkeit, dass Menschen landwirtschaftliche Versuchsfelder schon kurz nach dem Maximum der letzten Eiszeit und damit lange vor der agrarischen Revolution in Mesopotamien angelegt haben könnten. Außerdem gibt es natürlich die Auflösung des CRISPR-Cliffhangers aus Folge 29. Man kann Genomeditierung nämlich auch für die Wiederbelebung ausgestorbener Arten verwenden. Aber sollte man? Und wenn ja, wie viele?
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Sendungsnotizen
Wissenschaftsnachrichten
Bobs Bakterien
Zukunfts- UND Vergangenheitsverschmutzung
- Graven (2015) Impact of fossil fuel emissions on atmospheric radiocarbon and various applications of radiocarbon over this century 10.1073/pnas.1504467112
- Radiokarbondatierung, Isotope, Schweres Wasser,
- natürlicher, atmosphärischer 14-C-Gehalt gleicht sich global aus & wird durch Nahrungskette durchgereicht
- ab Sterbezeitpunkt: radioaktiver Zerfall des 14-C => Bestimmung der Gehalts einer Probe erlaubt Berechnung des Sterbezeitpunkts
- Verbrennung fossiler Rohstoffe verdünnt Atmosphäre mit 14-C-freiem CO2 => Organismen lagern weniger C-14 ein => erscheinen für spätere Archäologen älter
- Atombomben: künstlich, höheres 14-C-Verhältnis = Verjüngung, weil Zerfall von höherem Niveau => Probe hat bei gleichem Alter mehr 14-C, als Probe aus normaler Atmosphäre
- Modellierung der Atmosphärenalterung nach Representative Concentration Pathways (CO2-Emissionsszenarien) aus IPCC-Berichten
- Unterschreiten des vorindustriellen 14-C-Verhältnisses => künstliche Alterung von 30 Jahren in Datierungsberechnung pro Jahr CO2-Aufnahme
- business as usual: Proben aus 2050 nicht unterscheidbar von 1000y älteren => schwierigere Radiokarbondatierung kontextloser Funde
- auch: größere Unsicherheit der Ergebnisse von Altersbestimmung bei Wein, Whiskey & Elfenbein, sowie in Kriminalforensik (insb. Bestimmung, ob vor 1950 & nach 1963)
- allein Erhalt der aktuellen Datierungsgenauigkeit erfordert Verdopplung der 14-C-Messgenauigkeit
Erfolgreich nicht nur im Wohnzimmer
- Givnish et al. (2015) Orchid phylogenomics and multiple drivers of their extraordinary diversification. Proc. R. Soc. B 282: 20151553.
- Orchideen sind die artenreichste Familie im Pflanzenreich (>25’000 Arten)
- Schon Darwin hat sich gefragt, worin diese Diversität begründet liegt. Eine neue Phylogenie mit 39 Arten und 75 Chloroplastengenen verspricht Aufklärung.
- Vor ~112 Millionen Jahren sind die ersten Orchideen auf der Bildfläche erschienen, und haben seitdem eine Reihe von Spezialisierungen entwickelt, die unterschiedlich zur Artbildungsrate verschiedener Unterfamilien und Gattungen beigetragen haben (die ganz generell deutlich höher ist als die der näheren Verwandtschaft).
- Überraschend war vor allem, dass die Spezialisierung auf bestimmte Bestäuber, obgleich weit verbreitet, keinen großen Effekt auf die Artbildungsrate zu haben scheint.
- Die stärksten Kandidaten sind die Eroberung der Bäume (Epiphyten), die Besiedelung der höheren Lagen besonders in den Anden & Neuguineas zu sein, ebenso wie die Entwicklung des Crassulaceen-Säurestoffwechels.
- Letzterer ist mehrfach unabhängig voneinander entstanden, und ermöglicht es Pflanzen, die Wasserverdunstung und somit drohende Austrocknung zu minimieren.
- Diese drei Effekte lassen sich schwer voneinander trennen, da sie in den meisten Fällen miteinander einhergehen.
- Buch über Orchideen von Christian Ziegler: Trügerische Schönheiten
Proto-Weeds zeigen frühe Landwirtschaftsexperimente
- Snir, Nadel, … Weiss (2015) The Origin of Cultivation and Proto-Weeds, Long Before Neolithic Farming
- Nischenkonstruktion: Mensch gestalten Ökosysteme für sich selbst & domestizierte Pflanzen & Tiere
synanthropische Organismen vermehren sich in menschliche gestalteten Ökosystemen besser als die Wildtypen
- Unkraut hier: Pflanzen, die Zusammensetzung und Funktion der natürlichen & menschlich gestalteten Ökosysteme verändern oder stören
- Proto-Unkräuter: erste synanthropische Formen von Wildpflanzen
- Ausgrabungsstätte: Ohalo II (im Letzteiszeitliches Maximum vor ca. 23T Jahren am Südwestufer See Genezareth)
- Artbestimmung der Pflanzensamen => Rekonstruktion der Ernährungsgewohnheiten
- 1/3 Gräser: wilde(r) Emmer, Gerste, Hafer => Vorläufer der 11T Jahre später in Mesopotamien domestizierten Getreide
- 10% heute bekannten Unkräutern => Herkunft & Zeitpunkt der
Einwanderung in menschl. Einflussgebiete war bisher unbekannt
- Reifezeit & Überreste von Zugvögeln => Siedlung ganzjährig bewohnt
- Züchtung innerhalb weniger Menschenleben möglich?
- schnelle Evolution während Domestizierung?
- Zusammenfassung: früheste Hinweise auf Proto-Unkräuter vor der jungsteinzeitlichen Landwirtschaft
- Sichelkeile, hoher Anteil essbarer Grassamen & Ähnlichkeiten zu Getreiden: ebenfalls früheste Hinweise auf Domestizierungsversuche & planvolle Gräserernte
- Versuche mit Gras-/Getreidezüchtung fanden offenbar schon vor 23T Jahren statt
- bisher nicht in nahen, jüngeren Siedlungen gefunden => Züchtungsexperimente wieder eingestellt?
- lese auch:
Revolution auf Raten vom Scienceblog Was geht?
Nachtrag: Personenschaft von Menschenaffen
- Initiative hatte inzwischen Erfolg und hat vor Gericht die Personenschaft für zwei Schimpansen erwirken können
- Die amerikanische NSF hatte aber zuvor schon beschlossen, dass alle Versuche und Forschungsinitiativen eingestellt werden müssen (seit Mitte des Jahres in Kraft)
Wiederbelebung ausgestorbener Arten mittels Genomeditierung
Artensterben und Wiederbelebung
- Magenbrüterfrösche, Beutelwolf, Wandertaube, Riesenbiber, Elefantenvögel, Haastadler, Homotherium, Australian megafauna, etc. (lese George Monbiot: Destroyer of Worlds & Like a Demon in a Medieval Book
- Ripple, Newsome, … Van Valkenburgh (2015) Collapse of the world’s largest herbivores (Science Advances) 10.1126/sciadv.1400103 (via The Conversation): 60% aller großer Pflanzenfresser (>75kg) vom Aussterben bedroht, v.A. durch menschl. Einflüsse
- Ziel von Umweltschutz: nicht Erhalt der Spezies oder ikonischer Individuen, sondern Population & Ökosystem (gegenseitige funktionale Beeinflussung)
- Stanley Temple at TEDxDeExtinction: A game-changer for conservation biology
- Argumente pro Genomeditierung: höre KNS029
- vernünftige Regulierung nötig, aber wer bremsen will, muss auch wieder anfahren können!
Hausmeisterei
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