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Diese Worte stehen in einem Kapitel, in dem Gott seinem Volk Israel durch Mose eine Reihe von Anweisungen gibt. Ihr alltägliches Leben soll davon geprägt sein, dass sie zu Gott gehören. So beginnt das Kapitel damit, dass Gott sagt: „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der HERR, euer Gott.“ (V.2) Und dann folgen ganz unterschiedliche Anweisungen dafür, wie diese „Heiligkeit“ im Alltag aussehen soll. Übrigens: „heilig“ sein bedeutet in diesem Zusammenhang, zu Gott zu gehören und von ihm her geprägt zu sein. Denn nur Gott ist in seinem Wesen ganz und gar heilig.
Einige Verse später lesen wir dann die bekannte Aufforderung „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (V.18) Zusammen mit dem Auftrag, Gott von ganzem Herzen zu lieben, gehört dies ja zu dem Kern des gesamten Gesetzes, wie Jesus es im Lukasevangelium, Kapitel 10,25-37 (Lukas 10, 25-37) sagt. Und zu diesem „Nächsten“, den wir lieben sollen, gehört auch der „Fremdling“, der „bei euch wohnt“. Den soll Gottes Volk, so lesen wir in unserem Vers, nicht „bedrücken“. Und Gott fährt fort mit den Worten: „Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland.“ Und dann unterstreicht Gott noch einmal die Bedeutung dieser Aufforderung durch die Worte: „Ich bin der HERR, euer Gott.“
Das hebräische Wort, das hier für „Fremdling“ benutzt wird, ist eines von drei Worten, mit denen im Alten Testament Menschen bezeichnet werden, die „fremd“ oder „Ausländer“ sind. Es beschreibt, im Gegensatz zu den beiden anderen Begriffen, einen Menschen, der sich für längere Zeit oder gar dauerhaft im Land aufhält. Ein solcher „Fremdling“ hat eine ganze Reihe von Rechten und Pflichten.
So muss er zwar nicht den Glauben Israels übernehmen, aber er soll die von Gott gegebenen Regelungen für den Alltag, wie den Sabbat oder die religiösen Fest- und Feiertage beachten. Und wenn er das möchte, kann er selbst auch an diesen Ereignissen teilnehmen. Er darf sogar, wenn er sich und alle männlichen Mitglieder seines Haushaltes beschneiden lässt, mit seinem ganzen Haus das Passafest halten. Im Grunde gibt es nur eine Ausnahme, die ihn von den Israeliten unterscheidet. Er darf nämlich keinen eigenen Landbesitz in Israel haben. Dieses Land gehört nach dem Verständnis des Alten Testamentes Gott und er hat es den Israeliten gegeben. Daher konnten sie dieses Land, das sie von Gott bekommen hatten, auch nicht dauerhaft verkaufen, sondern es wurde spätestens alle 50 Jahre wieder an den ursprünglichen Besitzer zurückgegeben.
Die Fremdlinge werden an vielen Stellen im Alten Testament zusammen mit den Witwen und Waisen genannt. Als Menschen, die in besonderer Weise auf den Schutz und die Versorgung angewiesen waren, galten ihnen eine Reihe von speziellen Gesetzen. Gott ist es offenbar wichtig, dass die Menschen am Rand der Gesellschaft beachtet und gesehen werden.
Und wir? Was machen wir heute mit diesem Wissen? Denn wenn es Gott damals wichtig war, ist es auch heute noch etwas, was er will. Unsere Welt und Gesellschaft hat sich verändert. Aber Gott ist und bleibt derselbe. Auch heute möchte er, dass wir den Fremden, den Ausländer, der bei uns lebt, nicht unterdrücken. Er möchte, dass wir uns um ihn kümmern und ihn lieben wie uns selbst. Dafür gibt es in unserem Alltag viele Möglichkeiten. Angefangen von der Hausaufgabenhilfe für Kinder von Asylanten über die Hilfe bei der Bewältigung des Alltags, dem Ausfüllen von Anträgen bis hin zur Öffnung unserer Häuser – Gott will, dass wir ein offenes Herz für Menschen haben, die als Fremdlinge unter uns wohnen. Gott will, dass sie durch uns seine Liebe erfahren und ihn kennenlernen.
Autor: Hans-Georg Wünch
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