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Unser Kirchturm in Holzhausen, einem Ortsteil von Burbach im Siegerland, ist
ein echter Blickfang. Der alte Wehrturm mit seiner „Welschen Haube“ ragt aus dem alten Dorfkern hervor, prägt das Ortsbild.
Trotzdem benötigte ich als damals neuer Pfarrer etwas Zeit, um eine andere Besonderheit zu entdecken.
Während wir im Turmsaal mit den Konfirmanden einen Film angesehen haben, fiel mein Blick auf die Fensterfront. Gut zwei Meter dicke Wände bis zum Fenster von innen. Das Gleiche nochmal von außen. Welch ein gewaltiger Bau in der Entstehungszeit im 13. Jahrhundert. Kein Wunder, dass sich die Dorfbewohner in diesen Wehrturm verschanzten, wenn sich feindliche Truppen näherten wie im 30jährigen Krieg. Dieses Haus bot Schutz.
Unser Wehrturm kommt mir in den Sinn, wenn ich an den Anfang von Psalm 16 denke. Dort steht im Vers 1: „Bewahre mich Gott, denn ich traue auf dich“.
Als Autor dieses Psalms wird zuvor König David genannt. Wir wissen nicht genau, in welcher konkreten Situation er Gott um Bewahrung bittet.
Allerdings erzählt uns das Alte Testament, dass David oft Gott um Schutz gebeten hat. Häufig musste er vor Feinden fliehen. Immer wieder stellten ihm Feinde nach.
Noch bevor er König über Israel wurde, trachtete ihm der vor Neid zerfressene König Saul nach dem Leben. Selbst vor seinen eigenen Kindern konnte David nicht sicher sein, wie beispielsweise vor seinem Sohn Absalom (ab 2. Samuel, Kapitel 15). Der wollte seinen Vater umbringen.
Wie oft mag das sein Gebet gewesen sein: „Bewahre mich Gott, denn ich traue auf dich.“ Der Tempel in Jerusalem konnte damals noch nicht sein „Wehrturm bei Gott“ sein. Den Tempel erbaute erst sein Sohn Salomo, nachdem David verstorben war. Trotzdem lebte David mit voller Überzeugung, dass er zu jeder Zeit zu Gott im Gebet fliehen konnte, dass Gott für ihn eine offene Tür und ein offenes Ohr hatte. Ein „güldenes Kleinod“, so überschreibt Martin Luther Psalm 16.
Mit Sicherheit gibt es auch in Ihrem Leben viele Anlässe, bei denen Sie um Gottes Schutz, um seine Bewahrung bitten. Eine lange Autofahrt in den Urlaub steht bevor. Oder eine Geschäftsreise mit Flügen auf einen anderen Kontinent. Andere mögen an die täglichen Gefahren denken, wenn sie an einer Baustelle tätig sind.
Ach, es gibt so viele Anlässe, die Angst machen, die Sorgen bereiten.
Ich persönlich lese diesen Vers in einer Situation, in der nach vielen, vielen Jahren mal wieder ein Krankenhausaufenthalt vor mir liegt. Wie wird am Ende alles ausgehen? Ist eine Heilung möglich? „Bewahre mich Gott, denn ich traue auf dich“ (Psalm 16, 1).
Nun kann ich es schlecht beurteilen, ob Ihnen ein solches Gebet leicht über die Lippen kommt, wenn Ihre Probleme Sie niederdrücken. Mir kommt dabei ein Vergleich in den Sinn:
Was eine „Konservendose“ enthält, das kann ich von außen nicht beurteilen.
Klar, ich schaue aufs Etikett. Da steht z.B. „Ravioli“ oder „Serbische Bohnensuppe“. Aber das könnte auch ein Etikettenschwindel sein.
Ich muss schon die Dose öffnen, um zu erkennen, ob sie das enthält, was sie von außen verspricht. Erst dann wird sichtbar, was im verschlossenen Zustand verborgen bleibt.
Nun möchte ich Gottes Wort nicht mit einer „Konservendose“ gleichstellen.
Aber ob auf das Bibelwort Verlass ist, erfahre ich erst, wenn ich es beherzige.
Wenn Davids Gebetsruf auch mein persönliches Gebet wird. Probieren Sie es doch heute aus. „Bewahre mich Gott, denn ich traue auf dich“. Nur Mut!
Autor: Pfarrer Rainer Heuschneider
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