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Im 2.600 Jahre alten Buch des Propheten Jeremia finden sich in Kapitel 17 die Sätze:
Wessen Zuversicht der HERR ist, der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne aufhören Früchte.
Das Bild leuchtet sofort ein. Kurz vorher sagte Jeremia: Ohne Wasser gibt es nur ein paar trockene Sträucher, aber mit Wasser gedeiht alles prächtig. Ich kann das bestätigen: Auch unser Haus steht an einem kleinen Bach, und zu beiden Seiten des Ufers wächst alles wunderbar. Wasser bedeutet Leben.
Aber Jeremia geht es hier nicht um das schöne Bild, das auch sonst noch mehrfach in der Bibel vorkommt, z.B. in Psalm 1. Ihm geht es um sein Volk, das ins Verderben läuft. Deshalb kurz zum Zusammenhang:
Es ist die Zeit um 600 v.Chr. In Jerusalem scheint alles in Ordnung zu sein. Die Gesellschaft lebt im Wohlstand, die Tempelgottesdienste sind gut besucht, die Priester tun ihr Bestes, die Opfer werden dargebracht, die Tempelchöre singen gut, die Hofpropheten sagen eine glänzende Zukunft voraus – und die Kasse stimmt auch.
Und doch muss der Prophet Jeremia im Auftrag Gottes intensiv warnen, denn hinter der schönen Fassade ist es gewaltig am Bröckeln: Der Glaube ist nur noch äußerlich, und deshalb geht es auch im Alltag der Gesellschaft bergab: Bestechung und Unrecht nehmen zu, die Reichen und Einflussreichen legen das Recht zu ihren Gunsten aus, die Armen werden immer ärmer und rechtloser – Kennzeichen jeder alt gewordenen Gesellschaft bis heute. Aber das scheint niemanden zu stören – bis auf Gott. Er droht angesichts des himmelschreienden sozialen Unrechts, sein eigenes Volk hart zu strafen, fast zu vernichten. Und genau das hat Jeremia warnend zu verkündigen – allein gegen alle, der klassische Spielverderber.
Und jetzt kommt dieser schöne Vergleich zum Zuge: Wer ohne Gott leben will, verdorrt am Ende wie ein Wüstenstrauch ohne Wasser, aber wer sich auf Gott und seine Gebote verlässt, der gedeiht wie ein Baum am Bach.
So weit scheint alles klar, aber wie meistens liegen die wirklichen Fragen tiefer.
Denn Jeremia stellt öffentlich die unbequeme Frage, worauf sich seine Zeitgenossen wirklich verlassen.
Was soll das? Höre ich sie schon fragen, es läuft doch alles prima. – Nein, tut es nicht, denn ihr habt Gott und seine guten Gebote, eure Lebensgrundlage, verlassen, höre ich Jeremia sagen. Ihr lauft langfristig ins sichere Verderben.
Deshalb noch einmal: Worauf verlasst ihr euch letzten Endes?
Auf euch selbst, auf andere Menschen, auf eure Erfahrung, Herkunft, Bildung, Besitz, gesellschaftliche Stellung…? Alles nichts Böses, aber doch eine trügerische Sicherheit!
Oder verlasst ihr euch auf Gott und sein Wort – mit dem ganzen Wagnis, das dazugehört?
Nun sind die Fronten aber nicht immer so klar, denn auch in uns selbst gibt es oft beides, untrennbar vermischt! Da ist Vieles rätselhaft, selbst unsere eigene Biografie. Wem immer alles klar ist, der hat manchmal nur noch nicht weit genug gedacht. Deshalb steht unmittelbar nach unserem Bibelwort der geniale Satz:
Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich der Herr, kann das Herz ergründen…
Wie gut, dass Gott uns besser kennt als wir selber, ihm vertrauen wir uns für heute fröhlich an!
Autor: Pastor Wolfgang Buck
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