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„Marmor, Stein und Eisen bricht, aber unsere Liebe nicht!“ Mit diesem Song stürmte einst ein Drafi Deutscher an die Spitze der Hitlisten. Die heutige Losung der Herrnhuter Brüdergemeine ist für mich die biblische Version seines alten Schlagers: „Es ist kein Fels, wie unser Gott ist.“
Aus dem Lied einer Mutter stammt dieser kurze Satz des Alten Testaments. Ihr Name: Hanna. Mit ihrem Mann Elkana ist sie glücklich verheiratet. Nur – die gewünschten Kinder bleiben aus! Kinderlosigkeit galt damals als Strafe Gottes für besondere Sünden. Als kinderlose Frau ist Hanna verächtlichen Blicken und hämischen Bemerkungen vieler Mütter ausgeliefert. Doch sie schluckt ihre Demütigungen und Kränkungen nicht hinunter, sondern schüttet sie im Jerusalemer Tempel vor Gott aus. Klagt ihm immer wieder ihre Not und Traurigkeit. Und erlebt nach vielen Jahren, dass Gott sie erhört – ihr einen Sohn schenkt, dem sie den Namen „Samuel" gibt: „Der von Gott Erbetene.“ Als er vier Jahre alt ist, bringt sie ihn zurück in den Tempel: Er soll zu Gott gehören und unter der Obhut des Priesters Eli aufwachsen. Hanna stimmt ein Loblied auf Gott an und preist ihn mit den Worten: „Es ist kein Fels, wie unser Gott ist.“
Aber – ist das nicht unpassend, Gott mit einem riesigen Steinbrocken zu vergleichen?
Ich denke an einen Mann, der Witwer geworden war. Viel zu früh. Dann verunglückt sein einziger Sohn mit 20 Jahren tödlich. Mit ihm stirbt seine ganze Hoffnung und sein letzter Halt. Beim Trauergespräch beklagt er sich heftig: „Warum tut Gott mir das alles an!" Trotzdem besucht er auf einmal jeden Sonntag den Gottesdienst. Beginnt über sich und seinen bisherigen laschen Umgang mit Gott nachzudenken. Kommt zum lebendigen Glauben an ihn. Bekommt eine persönliche Beziehung zu ihm. Erkennt wie Hanna: "Es ist kein Fels, wie unser Gott ist.“ Er ist die Hoffnung und der Halt unseres Lebens! Auf ihn kann ich mich felsenfest verlassen. Mit ihm kann ich getröstet leben und auch einmal getrost sterben!
Wie jene todkranke Frau, die auf die Frage des Klinikpfarrers, wie es ihr denn heute gehe, antwortete: „Ganz unwichtig, wie es geht. Wichtig ist allein, wohin es geht!“ Um ihm dann zu erklären: „Es geht nach Kanaan – in das verheißene Land! Der HERR hat Gnade zu meiner Reise gegeben!" Nach ihrem Heimgang findet man eine letzte handschriftliche Notiz von ihr – ein Bibelwort. „So spricht der HERR: Ich habe dich je und je geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte." (Jeremia 31,3)
Jesus ist diese Liebe und Güte Gottes in Person! Er ist ganz der Vater. Wer ihm vertraut, „der hat auf keinen Sand gebaut," dichtete vor 400 Jahren ein Georg Neumark. Deshalb singe ich Drafi Deutschers Hit von 1965 für mich so: "Marmor, Stein und Eisen bricht, aber Gottes Liebe nicht." Das garantiert der Heiland, den Gott Ihnen und mir geschenkt hat! Deshalb lege ich uns allen den heutigen Lehrtext der Herrnhuter Losungen ans Herz: „Werdet stark durch eure Verbundenheit mit dem HERRN. Lasst euch stärken durch seine Kraft.“ (Epheser 6,10) Dann werden auch wir immer wieder staunend erleben: Tatsächlich! „Es ist kein Fels, wie unser Gott ist.“
Autor: Pfarrer i. R. Gerhard Weinreich
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