1. Die Funktion des Schma Israel – ein erdachtes Gespräch
"Dann frag doch mal deinen Vater!"
"Das werde ich heute Abend tun", sagte der junge Mann.
Denn Tag für Tag hatte er den Vater beobachtet. Ihm war aufgefallen: Jeden Morgen, jeden Abend murmelte der Vater etwas vor sich hin. Es war kein Gebet, es war auch kein Bekenntnis. "Was war das bloß?" Der Vater murmelte so laut, dass alle in der Familie es hören mussten.
Am Abend teilte der Vater seinem Sohn mit: „Was ich vor mich hinmurmle, das kommt von Mose, der unser Volk in dieses herrliche Land geführt hat. Er schärfte uns ein, den Gott unsrer Väter Abraham, Isaak und Jakob zu respektieren. Von ihm allein sollen wir die Fruchtbarkeit unseres Landes erwarten. Er gibt Regen. Unser Vieh findet reichlich Weide, sodass die Milch fließt, – und – dass ungezählte Blumen blühen! Wir haben Honig die Fülle. Respektieren wir den Gott unserer Väter in allem, was wir denken und tun, dann stehen wir unter seinem Segen.
„So ist mir", sagte der Vater, „diese Rede von Mose wichtig, denn wir leben in einem Land, in dem stark geworben wird, dem Landesgott Baal zu opfern. Dem dichtet man an, dass er das Land fruchtbar macht. Oder man betet zur Aschera, der ägyptischen Fruchtbarkeitsgöttin. Nein, sagte Mose: ‚Höre, Israel, der Herr ist unser Gott, der Herr allein. Ihn sollst du liebhaben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.' Gebt diese Nachricht auch den kommenden Generationen weiter, damit Milch und Honig weiterhin fließen. Denn unser Gott will auch die kommenden Generationen segnen."
Soweit diese ausgedachte Geschichte, in der der Sohn den Vater fragt: Woher dessen respektvoller Umgang mit dem Gott der Väter kommt, indem der Vater Gottes Wort ernst nimmt und stets an dessen Wort erinnert sein will.
2. Der Weg des Schma Israel in die Gegenwart
Ich finde es interessant, dass die Erinnerung ‚Höre, Israel, der HERR ist unser Gott, der HERR allein; du sollst ihn mit aller Kraft lieben' in einem Gebet der Juden vorkommt, das sie bis auf den heutigen Tag morgens und abends beten.
Aber was hat dieser Vers mit Christen zu tun?
Ich fand bei dem Theologen Karl Barth einen Hinweis. Wie im Flug durchquert er die Geschichte und sagt sinngemäß:
· JesusChristus ist Jude, deshalb dient er dem Gott der Erzväter Israels, Abraham, Isaak und Jakob. Zugleich ist Jesus der Sohn Gottes.
· Darum, dass Christen diesem Jesus vertrauen, gehören auch sie zum Volk Gottes.
· Deswegen gilt auch ihnen die Zusage: Sie sind von diesem Gott gesegnet; aus Dank sollen sie ihn lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit aller ihrer Kraft.
Eigentlich müsste diese Aufforderung nicht ausgesprowerden. Denn wer den Sohn Gottes, den Herrn Jesus kennengelernt hat: Der erlebt, wie er Schäden aus fremder Schuld im eigenen Herzen heilt. Der erlebt: Auch eigene Schuld, die man selbst begangen hat, vergibt er! … wer so den Gekreuzigten und von den Toten auferstandenen Herrn Jesus erlebt hat, dem ist es ein Herzensanliegen, diesem Herrn von ganzem Herzen zu dienen.
Leider sieht die Praxis anders aus. Ich denke nur an mich: Es gibt weit und breit keine Götter mehr, die Fruchtbarkeit verheißen. Aber die Werbung ist geblieben!
So freue ich mich samstags auf die Werbung der Supermärkte. Im Internet schaue ich mir Technikkataloge an. Hier und da bleibe ich an einem Angebot hängen. Das hätte ich gerne. Ich schaue nach, ob ich mir es leisten kann. Denn: Es klingt vielversprechend. Ich könnte meine Lebensqualität verbessern!
Ich kaufe mir, was ich gesehen habe. Und nach 6 Wochen hat es seinen Glanz verloren. Es hat nicht gehalten, was es versprochen hat. So tätigte ich manchen Frustkauf – und muss eingestehen: Mein Glück konnte ich mir nicht kaufen.
Wenn ich dann während meiner Gebetszeit meinen Frust vor Gott bringe... Er sagt dazu nicht viel, er schweigt. Denn ich hätte es besser wissen müssen. Denn:
Die Werbung ist geblieben, die mir und vielen anderen vorgaukelt: Kaufe mich und du kaufst das Glück dazu.
3. Wo das „christianisierte" Schma Israel in der Gegenwart vorkommt
In meiner Gebetszeit bete ich nicht nur, sondern ich breite mein Leben vor dem Herrn Jesus aus. Ich danke ihm für das, wozu er mir Gelingen gegeben hat. Ich lege ihm mein Sorgen vor und ich mache mir Gedanken, wie ich z. B. bei dem einen oder anderen Kauf sinnvoller gehandelt hätte.
Da ist mir zum einen ein Wort von ihm eingefallen. Es handelt nicht von Milch und Honig. Aber es handelt von der Umsicht des Vaters im Himmel. Jesus sagt: Sorgt euch nicht um Essen und Trinken, Kleidung und Unterkunft. Denn euer Vater im Himmel weiß, dass ihr das alles braucht. Sorgt euch darum, dass ihr ihm zu gefallen lebt. Dann lässt er das, was ihr zum Leben braucht, euch zufallen.
Zum anderen schließt gerade dieses Wort Jesu überhaupt nicht aus, die Angebote der Supermärkte oder der Technikkataloge zu vergleichen. Im Gegenteil. Es gefällt Gott, wenn einer verantwortlich mit seinem Geld haushaltet.
Aber Gott zu Gefallen zu leben, das beinhaltet aus meiner Sicht auch, dass ich mir von dem, was ich da kaufe, nicht zu viel verspreche. Es wird mit der Zeit seinen Glanz verlieren!
Da wende ich mich lieber an den Vater im Himmel, um ihm für das zu danken, was er mir jetzt schon zum Leben gegeben hat. Auch am Dank hat Gott Wohlgefallen – bestimmt mehr, als dass einer ständig vor ihm steht und ihn um „mehr, mehr" bittet.
Ich weiß nicht, was in Beziehung zu Gott für Sie heute wichtig ist.
Für mich bleibt es die Gebetszeit. In der danke ich dem Vater im Himmel für den Segen, den er ständig in mein Leben hineinlegt. In dieser Zeit schweige ich auch, damit der Herr Jesus mit mir reden kann. So teilt er unter anderem mir auch mit, wie dumm ich handle, wenn ich an ihm vorbei mir Glück und Lebensqualität kaufen will.
Er weiß es besser, was mir guttut, und er gibt es mir gern.
Autor: Pastor Wolfgang Ströhle
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