Die Notwendigkeit von Gesetzen und Geboten
Wozu braucht eine Zivilisation Gesetze und Gebote, habe ich mich gefragt. Es reicht doch aus, wenn jeder seinem Nächsten freundlich zugewandt ist und seine Bedürfnisse respektiert. Dass dies schon zu Zeiten Moses und dem jüdischen Volk nicht immer umzusetzen war, wird uns eindringlich in der Bibel an zwei Stellen geschildert. Es war eben nicht jeder zu seinem Nachbarn freundlich und respektierte ihn. Auch heute fällt uns das zunehmend schwer. Wir sehen es an den zahlreichen Gesetzen und Verordnungen. Im Straßenverkehr geht nichts ohne gewisse Regeln.
Dies war offensichtlich beim jüdischen Volk auch der Fall. Sie waren aus der babylonischen Gefangenschaft in die Freiheit geführt worden. Eigentlich sollten sie Gott dafür dankbar sein. So veranlasste Gott Mose, zu ihm auf den Berg Sinai zu kommen und sich seine göttlichen Gebote geben zu lassen. Mose überbrachte dem Volk die göttliche Botschaft. Als er zurückkam, hatte sich das Volk von Gott abgewandt und sich einen Götzen gemacht. Gott und Mose waren darüber so zornig, dass er die Gesetzestafeln zerbrach, die er von Gott bekommen hatte. Abermals stieg er auf den Berg Sinai und bekam neue Gesetzestafeln.
Die Gebote im Verhältnis zu Gott
Die Hierarchie in den Geboten ist klar gegliedert. Zuerst geht es um das Zusammenleben und das Verhältnis zu Gott. Er ist der Alleinige und steht über allem. Es folgt die Ehrerbietung vor Gott. Da es nur ihn gibt, duldet er keine Konkurrenz durch Götzen. Ferner soll man sich von ihm kein Bildnis machen. Götzen aus Ton oder Stein sind ihm ein Gräuel. Es war und ist schwierig, sich jemanden nur vorzustellen. Dabei kommen oft Missverständnisse zustande. Jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung von Gott, sofern er überhaupt an ihn glaubt. Manche Menschen glauben auch, ohne einen Gott gut auszukommen. Dies ist zu kurz gedacht!
Gott sieht das anders. Er fordert die Ehre, die ihm gebührt. Neben seiner Ehre fordert er auch die Ehre seines Namens. Wir sollen in seinem Namen weder schwören noch fluchen. Das ist manchmal leichter gesagt als getan. In einer schwierigen Situation platzt es aus mir einfach so heraus. Den Frust muss ich loswerden und da fällt schon mal ein ungeliebtes Wort. Gott will Sie und mich davor behüten. Sollte es dennoch geschehen, möchte er, dass wir ihn um Verzeihung bitten.
Es folgt die Aufforderung, den Sabbat – als Christen sagen wir Sonntag dazu – zu heiligen. Das bedeutet, dass wir wie Gott nach seinen sechs anstrengenden Arbeitstagen eine Pause einlegen und zur Ruhe kommen. Schön ist es, im Gottesdienst ihn für seine Schöpfung zu danken, ihn anzubeten und zu loben. So können wir Kraft für weitere Arbeiten tanken. Das sollen auch alle diejenigen, die uns bei unserer Arbeit helfen, Sohn und Tochter, andere Menschen, die uns unterstützen.
Die Gebote im Verhältnis zu den Mitmenschen
Neben dem Lob und Dank an ihn, unseren Gott, sollen wir unsere Eltern ehren. Sie haben uns das Leben gegeben. Ohne sie würde es uns nicht geben. Auch im Alter sollen wir uns um sie kümmern und uns um sie sorgen. Dies gilt es zu bedenken. An mehreren Stellen in der Bibel finden wir Hinweise, wie wir mit unseren Eltern umgehen sollen. Besonders die verwitweten Mütter erfahren immer einen besonderen Schutz, da sie in der damaligen Zeit selten einem Beruf nachgingen. Sie waren nach dem Tode des Ehepartners meist unversorgt.
Die nächsten Gebote regeln das Zusammenleben mit unseren Mitmenschen. Wir sollen ihnen kein Leid antun. Wir sollen nicht töten. Gott ist der Herr über Leben und Tod. Dieses Recht steht uns Menschen nicht zu. Für Töten, Ehebrechen oder Stehlen ist die Reizschwelle immer niedriger geworden. „Was gehen mich die Regeln an?", denken manche Menschen, „ich habe meine eigenen Regeln". Martin Luther hat 1529 zu den Geboten Erläuterungen verfasst und im Gesangbuch veröffentlicht. Er beschreibt darin, was hinter den einzelnen Begriffen zu verstehen ist. Es lohnt sich, diese wieder einmal nachzuschlagen.
Sich an des Nächsten Menschen und Sachen zu vergreifen, schließen die Gebote aus.
Ein weiteres schwierig einzuhaltendes Gebot ist, im Blick auf seinen Nächsten kein falsches Zeugnis zu reden. Wissentlich die Unwahrheit zu sagen, wird uns verboten. Im Zeitalter der modernen Medien ist es besonders schwierig. Oft erreichen uns sogenannte Fake-News; Nachrichten, die bewusst oder unbewusst falsch herausgegeben werden. Oft soll damit eine besondere Unsicherheit erzielt werden. Aber auch im persönlichen Bereich sollten wir uns an die Wahrheit halten. Gott sieht alles! Ereignisse, die daraus herzuleiten sind, folgen oft umgehend.
Die bleibende Bedeutung der Gebote
All diese Gebote hat Gott Mose auf dem Berg Sinai auf zwei Steintafeln niedergelegt, damit das jüdische Volk sich daran erinnert und die Gebote erneut und immer wieder lesen konnte. Sie wurden zum Schma Israel, das das jüdische Volk an die Alleinherrschaft Gottes erinnert. Als Merkzeichen machten Israeliten sich einen kleinen Kasten, den sie auf den Kopf banden. Gefüllt ist dieses Kästlein mit einer Schriftrolle, auf der das erste Gebot steht. Bei jedem Gebet binden sich fromme Juden dieses Tefillin auf den Kopf, um an die Einzigartigkeit Gottes erinnert zu werden.
Auch Jesus hat zu seinen Lebzeiten nie die Gebote aufgehoben. Er hat im Matthäusevangelium, Kapitel 22,37.39 darauf hingewiesen: „Du sollst den Herren, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen und deinen Nächsten wie dich selbst".
Manche Menschen empfinden die Gebote als eine Einengung. Aber: sie sollen wie eine Art Leitplanke zu unserem Schutz und zur Orientierung dienen. Sie helfen uns, unser Leben besser zu gestalten, so wie Gott es sich von uns wünscht – voller Freude und Freiheit in Liebe und Verantwortung. Psalm 119,45 weist uns darauf hin: „Ich wandele fröhlich, denn ich suche deine Befehle." In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Hörerinnen und Hörer, ein erfülltes Leben mit der Liebe zu unserem heiligen Gott.
Autor: Michael Barth
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