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Johannes und Jesus – zwei von Gott Berufene
Auf diese zwei Menschen hat Gott, der Vater, die Hand gelegt: Johannes, den Täufer, und Jesus, dessen Lebensgeheimnis Johannes schon ganz früh erkannte: Dieser ist Gottes Sohn.
Johannes erkannte das nicht von sich aus. Er hatte kein übernatürliches „Insider-Wissen". Er konnte den Menschen nicht ins Herz sehen, so wie Jesus das konnte. Wenn Jesus jemanden angesehen hat, dann wusste er genau, wen er vor sich hatte. Aber bei Johannes war das nicht so. Johannes und Jesus kannten sich vielleicht als Kinder, die Familien waren ja verwandt. Aber Johannes wusste nicht, dass Jesus der Christus ist, der Messias. Das konnte er erst erkennen, als ihm das offenbart wurde. „Auf wen du siehst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, der ist's".
Offenbarung statt Insider-Wissen
Obwohl Johannes der Täufer Gott so nahestand, sein ganzes Leben auf Gott ausgerichtet hatte, blieb er vollständig angewiesen auf die Offenbarung. Ich denke manchmal, dass Gott mich sozusagen in seine Geheimnisse einweihen wird, wenn ich ihn besser kenne, so dass ich dann besser Bescheid weiß, Durchblick habe, weiß, was dran ist. Aber hier sehe ich: Das ist nicht unbedingt so.
Johannes kannte Gott, er hat sein ganzes Leben von ihm bestimmen lassen. Dass er taufte zur Buße, damit die Leute zur Besinnung kommen und umkehren zu Gott, das war nicht seine eigene Idee. Johannes sagt es hier: Er wurde „gesandt, zu taufen". Und warum? „…Damit er (also: Jesus) in Israel offenbart werde, darum bin ich gekommen zu taufen mit Wasser."
Was Johannes tat, war eingebettet in einen größeren Zusammenhang. Das hatte einen Sinn, den er sich gar nicht selber ausdenken konnte. Ein Bekannter von mir meint, so bemerkenswert wäre das gar nicht mit Jesus – er hätte ja schließlich das Alte Testament gekannt und hätte das eben einfach alles umgesetzt, was da vorhergesagt worden war. Aber das erklärt ja z. B. überhaupt nicht das Phänomen Johannes des Täufers.
Sicher war auch das vorhergesagt worden: Johannes war der Vorläufer des Messias, der ihm den Weg ebnen sollte. Jesus hat ihn „Elia" genannt. Ja, das steht in der Bibel. Aber wenn ich das jetzt mal aus der Perspektive von Johannes betrachte: Woher hätte er das wissen sollen, dass es jetzt soweit ist? Dass da jetzt so jemand wie Jesus kommt? Dass die Prophezeiung im Begriff war, sich zu erfüllen und er selber dieser Vorläufer ist?
Es gibt ja hin und wieder Leute, die haben so eine religiöse – ich sage mal: fixe Idee. Die meinen, sie seien erwählt zu großen Dingen, die meinen, das in sich zu „fühlen", so etwas wie ein „gefühltes inneres Wissen" zu haben. Davon sehe ich bei Johannes nichts. Was er wissen musste, das wurde ihm mit Worten offenbart, sozusagen „von außen". Es wurde ihm gesagt und durch Zeichen bestätigt. Ganz nüchtern.
Und geht es mir nicht ähnlich? Oft will ich gern von innen erleuchtet werden: Also ein gefühlter innerer Friede soll sozusagen von innen nach außen überströmen. Das ist für mich verständlich, dass andere sich das wünschen. Ich will das auch gar nicht werten. Damit gehe ich vorbei an dem Wort Gottes, das durch die Bibel zunächst mal von außen in mein Leben kommt. Gott will mit mir reden - durch Worte. Er will sein Wort dann auch bestätigen im Innen und Außen, aber es kommt erstmal von außen an mich heran. Ich höre - und denke nach.
Verschiedene Wege – eine Berufung
Ich finde diese Begegnung zwischen Johannes und Jesus auch so bemerkenswert, weil sie zeigt: Hier sind zwei Menschen, - wobei Jesus ja mehr war als ein Mensch – aber er war immerhin auch Mensch – also zwei, die ihr ganzes Leben Gott zur Verfügung gestellt haben, und die doch ganz verschiedene Aufgaben haben, ganz verschiedene Wege gehen, ganz anders geführt werden. Das finde ich wichtig.
Ich kann mich vom Glauben anderer inspirieren lassen, ohne sie äußerlich nachzuahmen. Es gibt zwar Dinge, zu denen jeder Christ berufen ist, z. B. „Gott von ganzem Herzen zu lieben, (…) und unseren Nächsten wie uns selbst" (Markus 12,33). Aber Gott macht Ihr und mein Leben nicht zu einem 0815-Modell, eins wie das andere, sondern wer sich ihm anvertraut, wird individuell geführt.
Gott hat sich bei jedem von uns etwas gedacht. Er setzt uns ein Ziel. Das ist nicht bei jedem so bedeutsam wie bei Johannes – und mit Jesus können wir uns sowieso nicht vergleichen. Aber es ist ein persönlicher Weg. Johannes' Aufgabe ist es, mit Wasser zu taufen, damit Jesus, der Christus, in Israel offenbart wird. Die hat Johannes erfüllt. Dagegen hat er nicht rebelliert und gesagt: „Ich will aber was anderes werden", sondern das ist seine Bestimmung und das zu tun, hat ihn erfüllt.
Das Lamm Gottes und die Bedeutung der Sünde
Und die Zielvorgabe von Jesus ist: Gottes Lamm zu sein, das der Welt Sünde trägt. Sich selber zu opfern, damit wir unsere Schuld loswerden und wieder zu Gott finden können. Dieses Ziel wird heute von vielen gar nicht mehr verstanden. Jesus hat in ihren Augen ein nicht-existierendes Problem gelöst. Ich glaube, ein Grund dafür ist: sie verstehen nicht, was Sünde ist. Sünde ist nicht nur, etwas Falsches zu tun, also z. B. zu lügen, oder etwas zu unterlassen, also z. B. nicht zu helfen, obwohl ich es könnte.
Sünde ist Zielverfehlung. Und sie trennt von Gott. Wenn ich das Ziel, das Gott mir gesetzt hat, verfehle, dann werde ich niemals ein erfülltes Leben führen können. Wir sind nach dem Bild Gottes gemacht, und eins der Ziele, die Gott für uns vorsieht, ist: Etwas zu reflektieren vom Wesen Gottes, von seiner Geduld, Liebe, Barmherzigkeit, und Gerechtigkeit. Das geht nur in Beziehung zu ihm: Wenn wir hören auf sein Wort, wenn wir uns davon bestimmen lassen, auf Bestätigung durch ihn achten. - Wie wir das reflektieren, ist dann individuell ganz verschieden, so verschieden die Wege Jesu und Johannes des Täufers sind.
Autor: Martina Arp
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