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Unglücke über Unglücke! Ein Turm stürzt ein – und wer Bilder von Türmen sieht, die heutzutage durch geschickte Sprengung abgerissen werden und in sich zusammenfallen, oder sich zur Seite neigen und auf den Boden prallen, der weiß, was für eine Kraft dahintersteckt. Genug Kraft, um alles, was sich darunter befindet, zu begraben. 18 Menschen hat es so beim Einsturz des Turms von Siloah dahingerafft. Noch ärger geht es in Galiläa zu, wo dortige Gläubige während ihrer Darbringung des Opfers vor Gott von Pilatus niedergemeuchelt werden. Während der heiligen Handlung werden sie Opfer niederträchtiger Gewalt. Solche Unglücke entsetzen, sie erschrecken und führen zu Fragen: Warum nur geschieht so etwas? Warum sterben Menschen auf solche Weise? Warum ist ihnen das geschehen? Fragen, die zu allen Zeiten gestellt wurden und werden.
Eine Erklärungsmöglichkeit von Juden zur Zeit Jesu ist die, große Unglücksfälle als Strafe für ungewöhnliche Sünden anzusehen. Das lesen wir auch im Evangelium von Johannes, im 9. Kapitel, bei der Heilung des Blindgeborenen. Die Jünger Jesu fragen ihn, wer gesündigt hat: er oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde. So entstehen auch die Fragen an Jesus nach den Sünden der bedauerlichen Opfer von Siloah und Galiläa. Seine Antwort ist glasklar: Nein, die Menschen, die da gestorben sind, haben keine besondere Schuld auf sich geladen. Sie sind Sünder, wie alle anderen Menschen auch. Solche Unglücke sind keine besondere Strafe Gottes für besonders schwere Sünden, dies hören die Fragenden aus Jesu Mund. Vielleicht beruhigt sie das. Doch Jesu Antwort geht noch viel weiter. Ganz unvermittelt bezieht er die Fragenden in das Geschehen mit ein: „…wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle ebenso umkommen.“ Nicht die Sünden anderer Menschen, kein fernes Unglück spricht der Heiland Jesus Christus hier an. Er nutzt die Frage nach dem „Warum?“, die Frage nach dem plötzlichen Sterben Anderer dazu, ganz eindringlich die Fragesteller selbst auf Leben und Tod anzusprechen: Auch Du kannst sterben, ohne vorbereitet zu sein! Was wird dann mit Dir geschehen?
Abkehr von der Sünde
Die Buße, die Umkehr zu Gott ist das Mittel, das Jesus den Fragenden entgegenhält: die Abkehr von der Sünde (von eigenen Sünden und von der Sünde überhaupt) und die aktive Hinkehr zu dem von Gott Gewollten ist der Weg und das Mittel, um sich von keinem irdischen Unglück schrecken zu lassen, noch nicht einmal vom Tod! Das ist eine sehr positive Wendung der Unglücke und für die Fragenden sicherlich eine Überraschung. Daher stellt Jesus dem ein Gleichnis hinzu, das verstehen helfen soll, dass diese Buße, diese Umkehr zu Gott, nicht nur eine Freude ist, sondern von Gott auch ganz und gar gewollt.
Gott als Gärtner
Der Feigenbaum im Weinberg hat vom Weingärtner einen besonderen Platz bekommen. Das ist ein Bild für Gott, den großen Gärtner, der in seiner Schöpfung alle Geschöpfe an ihren Platz bringt. Der Feigenbaum ist der Mensch, der in der Schöpfung Gottes eine besondere Rolle spielt und von Gott wohlwollend angesehen wird. Früchte soll er bringen, das bedeutet: dem Weingärtner, also Gott, Freude bereiten und die von Gott angedachten Aufgaben erfüllen: Ein Leben führen, das Gott dankbar ist, ihn liebt und ehrt, seinen Nächsten achtet, Almosen gibt und in Dankbarkeit und Demut durch die Zeiten geht, um schlussendlich in Ewigkeit bei Gott zu sein. Wie gern möchte Gott alle Menschen aufrütteln, dass sie diese Buße tun und das ewige Leben haben! Doch: Wie viele lassen sich so aufrütteln? Gott hat sehr viel Geduld mit uns Menschen. Gott wartet noch immer darauf, dass wir Buße tun, ja, täglich immer wieder neu Zuflucht suchen in seinen Armen. Und von dieser Geduld Gottes handelt das Gleichnis, das Jesus im Anschluss an seine Antwort auf die Unglücksnachrichten erzählt.
Es ist eben das Gleichnis vom Feigenbaum, der auch nach drei Jahren noch immer keine Früchte trägt. Der Besitzer des Gartens will ihn schon fällen, aber der Gärtner bittet noch um Geduld – und dieser Gärtner ist niemand anders als Jesus selbst: „Herr, lass ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und ihn dünge; vielleicht bringt er doch noch Frucht.“ Ja, mit so viel Liebe und Geduld wirbt der Herr Jesus Christus um uns Menschen, dass wir Buße tun und ihm nachfolgen, damit wir nicht verderben, sondern ewig leben können! Graben möchte er um die Wurzeln, um ihnen besser Wasser, Nährstoffe und Luft zukommen zu lassen.
Dünger für unser Leben
Dünger für unsere Gottesliebe sind das Wort Gottes, der Gottesdienst, die Nächstenliebe. Allesamt führen sie uns zu Gott hin und ermöglichen es uns, den Blick von uns selbst wegzuleiten zur Schöpfung hin und schließlich zum Schöpfer selbst. Für uns Menschen in Gottes guter Schöpfung bleibt nicht viel zu tun, dank dieser wahrhaft göttlichen Vor- und Fürsorge. Die Hinwendung zu diesen Taten Gottes bleibt unsere Aufgabe. Umzukehren von unserem Eigenwillen, von unseren Irrwegen, die uns von Gott trennen, hin zum Schöpfer aller Dinge und seiner guten Ordnung. Denn Buße tun ist ja nichts anderes, als der Macht der Sünde entfliehen zu und in den offenen Armen Gottes Zuflucht zu finden. Jesus verspricht allen Menschen, dass sie durch ihn bei Gott diese Zuflucht finden und für immer geborgen sind. Das ist die gute Nachricht Gottes, das Evangelium. Wer so Buße tut, wer so an Gottes Wende durch Jesus teilhat, wird nicht umkommen, selbst wenn er manches Unglück erleiden sollte, sondern er wird ewig leben. Jesus Christus bietet das an, in jeder Lage, zu jeder Zeit. Eine bessere Nachricht gibt es nicht.
Autor: Jörg Michel
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