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In der Bibel wimmelt es von Sätzen, die man anderen um die Ohren klatschen kann. Kostprobe:
"Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!" Dieses mahnende Wort stammt aus dem Buch des Propheten Jesaja. Der sollte dem Volk Israel im 8. Jahrhundert vor Christus das Gericht Gottes ankündigen.
Tatsächlich habe ich solche Zitate schon gesehen, als Würze für wenig wohlmeinende Empörungstiraden. Meist von besonders aufrechten Gläubigen, gerichtet gegen andere, die den Pfad des wirklich richtigen Glaubens angeblich verlassen hatten.
Diese Art von Umgang mit frommen Worten ist allerdings nicht im Sinne des Erfinders. So verwendet kommen sie unbarmherzig und selbstgefällig daher - alles andere also als christlich. Das weiß Jesaja auch, und deshalb schickt er einen zweiten Teil hinterher:
"Weh denen, die weise sind in ihren eigenen Augen und halten sich selbst für klug!" Aha, danke, lieber Jesaja, hier geht es um Selbstkritik. Erstmal in den Spiegel schauen, die eigene Rechtschaffenheit prüfen, statt sie anderen abzusprechen. Jesaja mahnt: ein Finger meiner Hand zeigt auf andere, aber drei weitere Finger zeigen auf mich selbst.
Sachliche Auseinandersetzung: Ja. Ringen um den richtigen Weg: Ja. Aber auf Augenhöhe. Und in dem Bewusstsein, dass wir alle Demut brauchen: die anderen, klar, aber ich ganz genauso, noch klarer.
Autor: Andreas Odrich
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