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Eine Fabel erzählt von einem Eichelhäher, einem bunten Vogel, der auf seinen Streifzügen durch den Tag ein meisterhaft gefertigtes Nest findet. Als er erfährt, dass es der winzige Zaunkönig gebaut hat, ruft er höhnisch aus: „Was für ein armseliges Bauwerk!“ Der Eichelhäher fliegt weiter und entdeckt auf einem Felsen ein Durcheinander aus Zweigen, Heu und Federn. Doch er weiß: das ist das Nest des mächtigen Adlers. Deshalb bewundert er es und ruft: „Welch kunstvolles Bauwerk!“
Das Verhalten des Eichelhähers spiegelt sich manchmal auch im menschlichen Denken und Handeln wider. Daran erinnert mich der Jakobusbrief im Neuen Testament. Der Briefautor warnt seine Leser davor, Menschen nach äußeren Merkmalen und ihrem sozialen Status zu beurteilen.
„Bei Gott gilt kein Ansehen der Person!“ Es spielt keine Rolle, ob jemand berühmt oder unbekannt ist, stark oder schwach, jung oder alt, arm oder reich, gebildet oder weniger gebildet. Niemand soll bevorzugt oder ausgeschlossen werden.
Christlich gelebtes Miteinander soll niemals berechnend sein. Der Maßstab für die Beurteilung von Menschen ist allein Gottes Liebe. Sie gilt jedem Menschen gleichermaßen und schließt niemanden aus. Deshalb ist das Gebot der Nächstenliebe die höchste Instanz für einen angemessenen Umgang miteinander. Jakobus formuliert das in Kapitel 2 Vers 8 seines Briefes so: „Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach dem Schriftwort: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!«, handelt ihr recht.“
Von diesem Gesetz der Liebe will ich mich auf meinen Streifzügen durch den Tag leiten lassen - wertschätzend, freundlich und barmherzig sein – damit gelingendes Miteinander heute kein Märchen bleibt, sondern Wirklichkeit wird.
Autor: Ellen Hörder-Knop
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