Was bedeutet Elderspeak? Elderspeak bezeichnet eine Überanpassung der Sprache, die auf Altersstereotypen basiert. Pflegefachpersonen gehen dabei unausgesprochen davon aus, dass ältere Patient:innen komplexe Sprache nicht verstehen können. Das Resultat: vereinfachte Satzstrukturen, Verniedlichungen, übertriebene Lautstärke oder ein kollektives „Wir“ – etwa in Sätzen wie: „Na, wollen wir uns mal waschen?“ Forschende unterscheiden dabei drei Ebenen: - Verbale Ebene: Kosenamen, Verniedlichungen, vereinfachte Satzfragmente, Suggestivfragen oder Imperative.
- Paralinguistische Ebene: übertriebene Lautstärke, überhöhte Tonlage, betonte Aussprache.
- Nonverbale Ebene: Augenrollen, Kopfschütteln oder ein dominantes Raumverhalten.
Was zunächst harmlos wirkt, ist mehr als ein sprachlicher Tick. Elderspeak transportiert implizit eine Haltung – nämlich die Vorstellung, ältere Menschen seien automatisch weniger kompetent. Damit handelt es sich nicht nur um eine Kommunikationsform, sondern um eine Form subtiler Altersdiskriminierung. Vom Alltagsmuster zum ForschungsthemaSchon in den 1980er Jahren wurde Elderspeak erstmals wissenschaftlich beschrieben – zunächst in den USA. Dort zeigten Studien, dass Pflegefachpersonen mit älteren Bewohner:innen anders sprachen als mit Kolleg:innen. Erst später erhielt das Phänomen den Namen Elderspeak und wurde systematisch untersucht. Internationale Beobachtungsstudien machten das Ausmaß sichtbar: In einer Untersuchung wurden Pflegeinteraktionen während kompletter Schichten aufgezeichnet. Hierbei traten Elderspeak-Elemente auffällig häufig auf. In einer anderen Studie nutzten Pflegende Verniedlichungen oder Kosenamen. In Deutschland hingegen steckt die Forschung noch in den Anfängen. Nur wenige Studien haben sich bislang mit Elderspeak befasst, und diese konzentrieren sich vor allem auf die Akutpflege. Umso wichtiger sind Projekte, die das Thema für den deutschsprachigen Raum erschließen.
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