Lebensphasengerechte Personalplanung in der Pflege: Wie neue Konzepte die Zukunft gestalten Die Arbeitswelt befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel und gerade in der Pflege sind innovative Ansätze gefragt, um den Beruf attraktiver und zukunftsfähig zu gestalten. Ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Lebensphasengerechte Personalentwicklung mit abgestimmten Qualifikations- und Tätigkeitsprofilen und Berufslaufbahn“ (kurz: LPP) liefert spannende Einblicke in die Möglichkeiten, Pflegeorganisationen besser an die Lebenssituationen von Pflegefachpersonen anzupassen. Das Projekt wird im Auftrag des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) durchgeführt und Katja Pein und Dr.In Lena Marie Wirth geben Einblicke in dieses Forschungsprojekt. Ein Projekt mit Weitblick: Lebenssituationen im FokusPflegefachpersonen haben oft unterschiedliche Anforderungen und Bedürfnisse, die sich im Laufe ihres Berufslebens ändern. Hier setzt das LPP-Projekt an, indem es die Wechselwirkungen zwischen individuellen Lebenssituationen und organisationalen Rahmenbedingungen untersucht. Dabei wird bewusst der Begriff „Lebenssituation“ statt „Lebensphase“ verwendet, um der Vielfalt und Dynamik gerecht zu werden, die nicht linear verläuft. Ein zentrales Ziel des Projekts ist es, Konzepte zu entwickeln, die sowohl die berufliche Entwicklung als auch die Zufriedenheit der Mitarbeitenden fördern. Dazu gehört unter anderem die Erstellung einer „Metro-Karte“, die exemplarisch verschiedene Laufbahnen in der Pflege visualisiert, sowie praxisnahe Handreichungen für Organisationen.  Daten und Methoden: Ein umfassender AnsatzDie Erkenntnisse des Projekts basieren auf einem Mixed-Methods-Ansatz, der Literaturrecherchen, Fokusgruppen, Interviews und Sekundärdatenanalysen u.a. von Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) umfasst. - Literaturrecherche: Die Grundlage bildeten umfangreiche Analysen bestehender Studien.
- Fokusgruppen: Pflegefachpersonen aus unterschiedlichen Sektoren wurden einbezogen, um Perspektiven aus der Praxis zu erhalten.
- Fallstudien: Organisationen wurden detailliert untersucht, um Herausforderungen und Best Practices zu identifizieren.
- Expert:inneninterviews: Um die Ergebnisse zu validieren, wurden Gespräche mit Expert:innen aus Wissenschaft und Praxis geführt.
Dieser iterative Prozess ermöglichte es, sowohl individuelle als auch organisationale Perspektiven zu berücksichtigen.
Ergebnisse: Vielfalt und Flexibilität als SchlüsselHeterogene LaufbahnenEines der zentralen Ergebnisse ist die Heterogenität der Laufbahnen in der Pflege. Berufliche Entwicklungen verlaufen oft in „Minizyklen“ von drei bis fünf Jahren, in denen sich Schwerpunkte und Arbeitsumfänge ändern. Diese Dynamik bietet Organisationen die Chance, individuelle Stärken gezielt zu fördern. Lebenssituationen statt LebensphasenAnstelle starrer Lebensphasen liegt der Fokus auf individuellen Lebenssituationen wie der Übernahme von Führungsverantwortung, Krankheit oder Sorgeverpflichtungen. Solche Situationen erfordern flexible Arbeitszeit- und Aufgabenmodelle, um die Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden zu sichern. Die Rolle von Teams und FührungTeams spielen eine entscheidende Rolle bei der beruflichen Entwicklung. Sie können als Push-Faktor fungieren, aber auch hinderlich sein. Ebenso wichtig ist die Unterstützung durch Führungskräfte, die bei der Vereinbarkeit von Beruf und individuellen Bedürfnissen eine zentrale Rolle spielen. Herausforderungen und LösungsansätzeZeit und RessourcenEiner der größten Stolpersteine ist die begrenzte Zeit für Weiterbildungen und die Refinanzierung entsprechender Maßnahmen. Hier braucht es politische Unterstützung und tarifliche Regelungen, die solche Entwicklungen fördern. ArbeitszeitflexibilisierungArbeitszeitmodelle müssen flexibler werden, um den Anforderungen unterschiedlicher Lebenssituationen gerecht zu werden. Dies erfordert innovative Ansätze, die sowohl auf individuelle Bedürfnisse eingehen als auch die Teamarbeit stärken. Weiterbildung und EntwicklungPflegefachpersonen wünschen sich oft mehr Fortbildungsmöglichkeiten, die nicht nur Pflichtveranstaltungen abdecken, sondern auch ihre Neugier und Interessen ansprechen. Organisationen sollten daher Bedarfe systematisch ermitteln und Mitarbeitenden die Möglichkeit geben, ihre Ideen aktiv einzubringen. Forderungen und VisionenBasierend auf den Projektergebnissen werden mehrere Forderungen formuliert: - Politische Unterstützung: Refinanzierung von Weiterbildungen und Schaffung flexibler Arbeitszeitmodelle.
- Akademisierung und Generalistik: Diese Entwicklungen haben sich als wichtige Motoren für Veränderungen in der Pflege erwiesen und sollten weitergeführt werden.
- Kultureller Wandel: Organisationen sollten eine Kultur des lebenslangen Lernens und der Offenheit fördern, um langfristig als attraktive Arbeitgeber zu bestehen.
Produkte für die PraxisUm die Ergebnisse in die Praxis zu tragen, entwickelt das Projekt verschiedene kostenfreie Produkte: - Metro-Karte: Visualisierung von Laufbahnen in der Pflege.
- Erklärfilme: Kurze Videos, die wichtige Erkenntnisse auf anschauliche Weise darstellen.
- Handreichungen: Leitfäden für Organisationen, die praxisnahe Impulse zur Personalplanung bieten.
- Steckbriefe: Exemplarische Laufbahnen, die die Vielfalt und Dynamik in der Pflege verdeutlichen.
Fazit: Eine Zukunft mit PerspektiveDas LPP-Projekt zeigt eindrucksvoll, wie wichtig es ist, die Bedürfnisse von Pflegefachpersonen ernst zu nehmen und in die Personalplanung zu integrieren. Durch flexible Modelle, gezielte Weiterbildungsangebote und eine stärkere Teamorientierung können Organisationen nicht nur ihre Attraktivität steigern, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten. Die Zukunft der Pflege liegt in einer offenen, flexiblen und partizipativen Arbeitskultur – und genau daran sollten wir gemeinsam arbeiten. Unsere weiteren Inhalte zum Thema: ÜG118 - Live vom Forschungskongress des BIBBs - Übergabe Forschungskongress “Bildung und Versorgung in der Pflege gemeinsam gestalten” vom Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) Übergabe | Medien für die PflegeEvaÜG119 - Bildung und Forschung in der Pflege (Dr. Lena Dorin, Malte Falkenstern, Prof. Dr. Karin Reiber, Prof. Dr. Bernd Reuschenbach) - Übergabe Bildung und Forschung in der Pflege gemeinsam gestalten aus der Perspektive des Bundesinstituts für berufliche Bildung und zwei Forschenden. Übergabe | Medien für die PflegeEva
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