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Podcast: Übergabe
Episode:

Zwischen Ablehnung und Ambitionen: Warum Pflegewissenschaft in die Praxis gehört / Gastbeitrag von Johannes Wünscher

Category: Science & Medicine
Duration: 00:00:00
Publish Date: 2024-12-10 08:00:15
Description:

"Ich bin Pflegefachmann mit Masterabschluss"

Zwischen Ablehnung und Ambitionen: Warum Pflegewissenschaft in die Praxis gehört / Gastbeitrag von Johannes Wünscher

So und genau so stelle ich mich vor - bei pflegewissenschaftlichen Praxisbegleitungen im Klinikum Ernst von Bergmann, auf Podien bei politischen Diskussionen, in Fachgremien und natürlich gegenüber Patient:innen, die sich mit meinem Jobtitel „klinisch tätiger Pflegewissenschaftler“ verständlicherweise schwertun. Es ist der Pflegeberuf, der mich in meinem beruflichen Tun definiert. Das Studium baut darauf auf.

Als ich nach meiner Ausbildung meinen ersten Job im Krankenhaus antrat, dauerte es nicht lang und ich stellte mir immer mehr Warum-Fragen:

  • Warum stellen wir Medikamente im Nachtdienst allein für alle Patient:innen, wenn man sich so schlecht konzentrieren kann?
  • Warum müssen wir so viel mehr Patient:innen versorgen als Pflegefachpersonen in anderen Ländern?
  • Warum nennen wir das „interdisziplinäre Fallkonferenz“, wenn eine Oberärztin wöchentlich dieselben standardisierten Phrasen in ein Diktiergerät spricht und die Rolle der Therapeut:innen und Pflegefachpersonen lediglich darin besteht, einzelne Aussagen via Kopfbewegung zu bestätigen oder zu verneinen?

Niemand aus meinem Team konnte oder wollte mir auf solche Fragen zufriedenstellend antworten. Mir wurde bald klar: Um in und für den Pflegeberuf etwas verändern zu können, muss ich das System im Großen und im Kleinen besser verstehen. So fasste ich den Entschluss: „Ich studiere - in Vollzeit, berufsbegleitend“. Womit ich damals überhaupt nicht rechnete und was mich in Folge stärker bewegte, als ich mir das lange eingestehen wollte: Die Entscheidung für das Studium führte zum Bruch mit meinem Team. Zu Beginn bekam ich das noch eher subtil und unterschwellig zu spüren: Wenn ich beispielsweise den Aufenthaltsraum betrat und Gespräche abrupt verstummten. Immer wieder bekam ich dieselben halbernsten Fragen gestellt:

„Und? Was machste dann? Wirst‘ dann unser Chef, wa?“

War es leichtsinnig oder naive von mir, der Neugier nachzugehen und zu studieren, ohne mir vorher ausführlich über mögliche Konsequenzen Gedanken zu machen?


Zwischen Ablehnung und Ambitionen: Warum Pflegewissenschaft in die Praxis gehört / Gastbeitrag von Johannes Wünscher
Johannes Wünscher (Foto: Stefanie Siefke)
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