|
Description:
|
|
Das Erste, was du über mich wissen musst: Ich bin unglaublich dick.
Quelle: Liz Moore – Der andere Arthur
Mit diesem Geständnis beginnt Arthur einen Brief an seine alte Freundin Charlene. Als junger Universitätsdozent war er einst heftig in seine Studentin verliebt, dann pflegte er mit ihr eine jahrzehntelange Brieffreundschaft.
Die Wahrheit schreibt Arthur ihr erst jetzt, nachdem Charlene ihn seit langem wieder einmal angerufen und ihren Besuch angekündigt hat: Nicht nur, dass er unheimlich zugenommen hat, auch, dass er sich schon lange nicht mehr aus seinem Haus im New Yorker Stadtteil Brooklyn traut.
Fressgelage als Trost in der Einsamkeit
In ihrem Roman Der andere Arthur lässt Liz Moore den Protagonisten mit viel Selbstironie sein einsames Leben schildern, in dem die häufigen Fressgelage sein einziger Trost sind:
„Kekse mit Kokos, Macadamia und weißer Schokolade. Eine Schale Erdnuss M&Ms. Ein paar Bagels, die mit obszön vielen Samen, Körnern und leckeren kleinen Salzkörnern bestreut waren. Bagels, die mit einer dicken Schicht Butter und einer dicken Schicht Frischkäse bestrichen waren. Eine Schokoladentorte mit einer Kruste aus zerstoßenen Oreos. Drei Hamburger."
Und so weiter… Die kulinarische Aufzählung nimmt kein Ende.
Die Aussicht auf ein baldiges Wiedersehen mit seiner Jugendliebe, die ihm ihren Sohn vorstellen will, wirbelt Arthurs deprimierende Existenz dann gehörig durcheinander. Was er nicht ahnt: Auch Charlenes Leben ist traurig verlaufen.
Der „andere Arthur“: Charlenes Baseball-begeisterter Sohn
Das erfahren wir, als Autorin Liz Moore die Erzählperspektive wechselt und dem „anderen Arthur“ das Wort erteilt. Und das ist Charlenes Sohn, auch er heißt Arthur, wird aber von allen „Kel“ genannt: ein 18-jähriger, Baseball-verrückter Schüler. Er und seine alleinerziehende Mom leben im New Yorker Vorort Yonkers in prekären Verhältnissen.
Kel hat es nicht leicht: Er geht auf die Highschool im wohlhabenden Nachbarort, ist dort beliebt und gut integriert, übernimmt aber zugleich immer mehr Verantwortung für seine kranke Mutter Charlene.
„Wenn es ganz schlimm kommt, dann sage ich meistens Sachen zu ihr, die sie beruhigen. Dann sage ich zu ihr: Mom, Mom. Wir müssen leise sein, sonst rufen die Nachbarn wieder an. Komm her auf die Couch. Da läuft gerade deine Sendung. Dann warte ich, bis sie eingeschlafen ist."
Ich lasse sie auf der Couch liegen, und am nächsten Morgen liegt sie immer noch da.
Quelle: Liz Moore – Der andere Arthur
Auch Kel schildert sein Leben mit einer eigenen Erzählerstimme. Anders als bei dem älteren Arthur irritiert das manchmal, da Kels reife Sprache nicht wie die eines Teenagers klingt.
Wichtiger aber ist, dass er uns seine Zerrissenheit nachfühlbar vermittelt – zwischen seinem schwierigen Zuhause und der Welt der Reichen. Die nimmt ihn, den hübschen, sportlichen Jungen, zwar freundlich auf – dennoch fühlt sich Kel in den Luxusvillen der Freunde fremd.
Soziale Kluft: Wärme und Unterstützung in beiden Welten
In „Der andere Arthur“ thematisiert Liz Moore erneut die ausgeprägten sozialen Unterschiede in den USA – sie erscheinen in ihrem Roman jedoch nicht unüberbrückbar.
Als Kel eine Tragödie erlebt, erfährt er in den beiden Welten, zwischen denen er pendelt, Wärme und Unterstützung.
Der ältere Arthur wiederum, der esssüchtige ehemalige Universitätsdozent aus Brooklyn, wird von einer jungen Putzfrau aus seiner Isolation geholt und empfindet zum ersten Mal seit langem Glück und Hoffnung.
Liz Moore schreibt auf bewegende Weise über ein gesellschaftliches Thema unserer Zeit: die Einsamkeit.
In „Der andere Arthur“ sind fast alle Figuren gutherzige Menschen. Wie langweilig, könnte man meinen. Doch nein, man verfolgt das Schicksal der beiden ungleichen Protagonisten anteilnehmend und gespannt – bis zum Ende, als beide Handlungsstränge schließlich zusammenfinden. |