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Description:
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PeterLicht ist ein Tausendsassa auf Bühnen, hinter Mikrofonen und zwischen Buchdeckeln. Darüber lässt er auch in seiner neuesten Textsammlung keinen Zweifel. In diesem Fall empfiehlt er sich sogar in der Rolle des Propheten.
Daran lässt zumindest der Buchtitel denken. Der orakelt in warnendem Ton: „Wir werden alle ganz schön viel ausgehalten haben müssen“.
Das heißt, in diesem Buch geht es um Zustände und Befindlichkeiten im Hier und Jetzt, über die sich eines künftigen Tages nichts Gutes wird sagen lassen. Zum Beispiel um den Zeitgeist, von dem eine kurze knackige Gesellschaftssatire handelt. Sie trägt den bösen Titel „Kleine Gala nach der Party zum Krieg“.
Das fühlt sich so gut an
Die Gäste dieser Party sind Spitzenkräfte der Zivilgesellschaft, sie haben gespendet für den Krieg und seine Opfer. Nun brüsten sie sich am kalten Büfett mit ihrem Beitrag zur Rettung der Welt. Ihre Grundsätze sind auf dem neuesten Stand.
Einfach, regional, saisonal. Alles andere ist nicht mehr tragbar. Wir bauen hier zu Hause gerade alles um in Richtung Nachhaltigkeit und reißen im Haus alles raus, was nicht einfach, regional, saisonal ist. Das fühlt sich so gut an.
Quelle: PeterLicht – Wir werden alle ganz schön viel ausgehalten
PeterLicht hat in diesem Band um die fünfzig Texte versammelt. Kolumnen und Glossen finden sich darunter ebenso wie Betrachtungen über dies und das, es gibt Selbsterlebensbeschreibungen und immer wieder Dialoge, in denen der Talk unserer Tage satirisch aufgespießt wird.
Kapitalismus und Kreativität
Zum Beispiel in einem korrekt gegenderten Gespräch zweier Theaterleute über die Tücken von Kapitalismus und Kreativität, das sich zu einer großen Arie über die allgemeine Genervtheit auswächst:
O Gott, was bin ich genervt, ich kann gar nicht sagen, wie. Weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, das fängt schon an mit den ewigen Wiederholungen des Immergleichen. Immer wird alles ewig wiederholt.
Quelle: PeterLicht – Wir werden alle ganz schön viel ausgehalten
PeterLicht schreibt einen ganz eigenen Stil, in dem bombastischer Ernst, große Gesten und verspielter Unernst ständig im Clinch liegen. Dabei geht es munter hin und her zwischen Komik und Schmerz, trotziger Selbstbehauptung und schwarzen Gedanken.
Alltagsmomente, wie der bedrohlich sich aufplusternde Restschaum in einer Kaffeetasse, werden mit paranoider Genauigkeit beschrieben. Über große Fragen des Daseins wie den Kapitalismus, den Wegwerfkonsum oder den Ausbruch einer depressiven Revolution fabuliert der Autor mit manischer Formulierungslust.
In der Klemme der Zeitgenossenschaft
Durch die kabarettreife Effektsicherheit mancher Stücke gibt sich PeterLicht als der Bühnenperformer zu erkennen, der er auch ist. Ein fingierter Brief an die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags geht so:
Hiermit bewerbe ich mich um die noch nicht ausgeschriebene Stelle des Parlamentssängers. Ich benötige dafür nur ein Büro im Reichstag und ein monatliches Gehalt in Höhe von möglichst was über 3000 €. Meine Gitarre bringe ich selber mit.
Quelle: PeterLicht – Wir werden alle ganz schön viel ausgehalten
PeterLichts Texte sind mal virtuos, mal abgedreht und oft genau auf den Punkt. Er schreibt über eine Gesellschaft, die saturiert erscheint, doch in vieler Hinsicht notleidend ist.
Das heißt, er schreibt aus der Klemme unserer heutigen Zeitgenossenschaft heraus. Und das macht er auf seine gescheit-naive Art mit Witz, Scharfsinn und schrägen Einfällen, die es in sich haben. |